Österreichs Bundesheer

Österreichische Militärische Zeitschrift - Archiv 2007

Ausgabe 1/2007

Die NATO führt Krieg in Afghanistan und gerät damit zunehmend in Bedrängnis, weil einerseits immer weniger Staaten bereit sind, sich an diesem Konflikt mit Truppen zu beteiligen. Andererseits ist es bislang nicht gelungen, den Menschen in diesem Land eine Perspektive zu geben bzw. entsprechende Unterstützung zukommen zu lassen, die in ihnen jene anfangs gehegten Hoffungen auf eine Verbesserung ihrer Lebensumstände erhalten ließen. Gerade dieser Sumpf der Aussichtslosigkeit aber bietet den Nährboden für radikale Lösungen und beschert den Taliban-Milizen regen Zulauf. Über die Wintermonate wird sich auf Grund der Witterungsverhältnisse die Situation zwar etwas beruhigen, es steht aber zu erwarten, dass die Kämpfe im Frühjahr 2007 mit umso größerer Wucht wieder aufgenommen werden.
In Nepal hat sich die Lage nun scheinbar beruhigt, nachdem die rebellierenden Maoisten in die Regierungsverantwortung hinein genommen werden. Mehr als zehn Jahre haben sie gegen die Monarchie gekämpft. Der König ist zwar noch im Land, aber entmachtet, und die Ausrufung der "Demokratischen Republik" könnte bereits 2007 erfolgen. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage nach der künftigen Machtentfaltung der Maoisten: Heißt es doch in Marxens Manifest, dass die Erringung der Demokratie nur ein erster Schritt sein kann, um sich zunächst einmal an der Macht zu beteiligen - eine Verschnaufpause gewissermaßen. Die kommunistischen Parteien haben diesen Weg immer dann gewählt, wenn sie für eine sofortige totale Machtübernahme zu schwach waren. Als nächste Schritte folgten die ideologische Ausrichtung der Polizei durch Besetzung des Innenministerpostens und eine so genannte "Demokratisierung" der Streitkräfte bis letztendlich das gesamte Staatsgebilde so umgestaltet ist, dass die Macht ganz ergriffen werden kann, wie dies beispielsweise in der Tschechoslowakei 1948 geschehen ist. Danach wird der "einzigen Wahrheit" zum Durchbruch verholfen - mit Säuberungswellen, Kulturrevolution und dergleichen. Die Freudenfeiern über das Ende der Gewalt in Nepal waren möglicherweise verfrüht, der wahre Albtraum könnte den Menschen dort noch bevorstehen.
Für die USA ist der Interventionskrieg im Irak bereits zu einem Albtraum geworden, in der amerikanischen Bevölkerung werden die Stimmen für einen Truppenrückzug immer lauter. Der Irak steht am Rande eines Bürgerkrieges, der vermutlich eine Teilung des Landes nach sich ziehen würde. Die ohnehin fragile Stabilität im Nahen Osten stünde damit vor einer zusätzlichen Belastungsprobe, die zu einem Versinken der gesamten Region im kriegerischen Chaos führen könnte. In der "Strategischen Lage zum Jahreswechsel" analysiert Lothar Rühl die Herausforderungen mit denen die USA als führende Weltmacht konfrontiert sind und kommt zu dem Schluss, dass Washington über keine kohärente Strategie verfügt, um diesen zu begegnen.
Die Provinz Quebec wurde Ende 2006 zur "Nation" innerhalb des kanadischen Staatsverbundes erhoben. Damit ist ein vorläufiger Schlussstrich unter dieses über Jahrzehnte präsente Thema gesetzt. Martin Pabst zeichnet die Geschichte und die politischen Hintergründe dieses französischsprachigen Landesteiles und seine Bestrebungen für Autonomierechte bzw. vollkommene Souveränität.
Graf Romedio von Thun-Hohenstein analysiert den operativen Fehler der Unterschätzung der Kampfkraft des Gegners am Beispiel der mit Fallschirmjägern durchgeführten Operation "Rösselsprung" im Jahre 1944. Auf dem Balkan-Kriegsschauplatz sollte durch die Ausschaltung Titos der Partisanenkrieg beendet werden. Mangelnde Aufklärung über den Aufenthaltsort des Partisanenführers sowie die schnelle Reaktion und flexible Kampfführung der Partisanen brachten die Operation zum Scheitern.
Schon im Altertum schlossen sich Soldaten zu Geheimgesellschaften zusammen, wie dies am in den römischen Legionen gepflegten Mithras-Kult zu ersehen ist. Eine ähnliche Faszination übte die Freimaurerei auf die Offiziere in der Neuzeit aus, und es entstand im 18. Jahrhundert eine Reihe von Militärlogen. Hubert Mader zeigt am Beispiel der österreichischen Armee die Entwicklung dieser Einrichtungen, denen die habsburgischen Herrscher mit gemischten Gefühlen gegenüberstanden: Von der Zulassung unter Maria Theresia und Joseph II. bis zum Verbot der Geheimgesellschaften nach der Französischen Revolution.
Für das Jahr 2007 darf die Redaktion unserer geschätzten Leserschaft eine friedvolle und erfolgreiche Zeit wünschen.

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Ausgabe 2/2007

Die aktuelle Ausgabe der ÖMZ wird dem Ansatz der Diversifikation gerecht. Zu Beginn führt Milan Vego in die militärische Tugend des "Operativen Denkens" ein und zeigt, dass diese nichts Anderes als ein Handlungsmuster auf Kommandantenebene darstellt, das erlernt werden kann, allerdings ihrer situativ richtigen Anwendung harrt. Reinhard Mang beschreibt von berufener Seite - er ist Leiter des Institutes für militärisches Geowesen - die Genese und den Status quo dieser militärisch immanent wichtigen Disziplin, die in Zeiten von internationalen Einsätzen noch an Bedeutung gewinnen wird. Management im Militär beschäftigt Herbert Strunz. Er macht Aufgaben und Defizite deutlich und kommt zu dem Schluss, dass eine stringente Einbindung von betriebswirtschaftlichen Instrumentarien das Militär zu einem effizienteren Unternehmen wachsen lassen würde. Biologische Kampfstoffe spielen in der konventionellen Kriegführung auf Grund der meist langen Zeit, die sie zur Entwicklung ihrer schädigenden Einflüsse benötigen, eine untergeordnete Rolle. Im Terrorismus ist dieser Zeitfaktor vernachlässigbar, da es den Protagonisten hier mehr um eine nachhaltige Störung einer bestehenden Ordnung, als um einen schnellen Sieg geht. Jan Irlenkaeuser beschäftigt sich mit den Prinzipien und der Wahrscheinlichkeit eines dergestaltigen Terroranschlags.

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