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Der aktuelle Krieg am Persischen Golf: Risiken, Konsequenzen und Zusammenhänge

Wien, 09. März 2026  - Was bedeutet der laufende Waffengang für jeden von uns? Wie hängt er mit anderen Ereignissen in der Welt zusammen und was könnte noch passieren? Drei einfache Fragen und viele komplexe Antworten von Mag. Günther Barnet.

Iraner, das sind die Mullahs mit den Atomwaffen. Perser, das sind die netten Leute mit den Teppichen.“ (frei nach Michael Niavarani).

Was kann noch passieren?

Gefragt, wie der seit 1980 nunmehr vierte Krieg am Persischen Golf (für die Araber „Arabischer Golf“) ausgeht, muss man ehrlicherweise sagen: Das ist mit vielen Fragezeichen verbunden. Beide Kriegsparteien – Israel und die USA auf der einen sowie dem Iran und seinen mittlerweile aktiven Proxys im Libanon und dem Irak auf der anderen Seite – glauben, ihn gewinnen zu können. Was auch immer „gewinnen“ bedeutet. Oder ihn führen zu müssen.

Vor allem die strategischen Zielsetzungen der USA scheinen nicht klar definiert oder sind diffus, und manches klingt auf beiden Seiten nach Erklärungen oder Wunschvorstellungen. Auch bei den direkten oder indirekten Unterstützern. Vieles wird vom Verlauf der Kampfhandlungen abhängen: vom politischen, ökonomischen und öffentlichkeitswirksamen Druck, den jeder versucht auszuüben – und zunehmend von Einzelentscheidungen mit hohem Risiko von Fehlkalkulationen.

Klar scheint, dass der Iran durch regionale militärische Eskalation vor allem die arabischen Staaten am Golf, seine weiteren Partner in den sogenannten BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika; seit 2024/25 auch Iran sowie Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Ägypten und Äthiopien sowie Indonesien) und letztlich auch die Weltöffentlichkeit mit der Angst vor einem Flächenbrand zu beeinflussen versucht.

Die Ziele darunter sind vielfältig. Die Golf-Araber sollen Druck auf die USA (und bedingt auch auf Israel) ausüben, damit diese die Angriffe im besten Fall einstellen. Allenfalls sollen diese auch den USA nicht mehr erlauben, ihre militärischen Einrichtungen vor Ort gegen den Iran zu nutzen. Die arabische Annäherung an Israel soll verhindert werden.

Das Risiko, welches der Iran dabei eingeht, ist hoch. Überschreiten die regionalen Angriffe ein gewisses Maß, wenden sich nach den Europäern – die bei den jahrelangen Verhandlungen über das iranische Atomprogramm eher ausgleichend gewirkt haben – auch die arabischen Golf-Staaten völlig von ihnen ab. Dies, nachdem durch China erst 2023 die Wiederaufnahme der Beziehungen zwischen den Langzeitrivalen Iran und Saudi-Arabien vermittelt wurde.

Die arabische Welt, aber auch Europa und Asien – vor allem China mit seinem „Seidenstraßenprojekt“, der wirtschaftlichen Verbindung der Kontinente Asien, Afrika und Europa – fürchten nichts mehr als Instabilität. Diese haben die beiden erstgenannten Regionen im Zuge der Kriege im Nahen und Mittleren Osten immer gespürt.

Alle haben Angst vor negativen wirtschaftlichen Folgen, etwa einem Einbruch des immer wichtiger werdenden Tourismus, sowie vor Fluchtbewegungen aus direkten und indirekten Kriegshandlungen. Diese treffen erstmals auch die Golfstaaten. Bisher gelang es, den Druck irregulärer Migration aus den Kriegen in Ostafrika, dem Jemen und der Levante (unter anderem Syrien und Libanon) in Richtung Nordafrika, Türkei und Europa abzulenken.

Ein Flächenbrand, der die genannten Konflikte beiderseits des Roten Meeres und im östlichen Mittelmeer neuerlich befeuern könnte, hätte weitreichende Folgen vor Ort und für die Weltwirtschaft. Schon jetzt steigen die Energiepreise deutlich, was nicht nur die Haushalte beim Tanken oder Heizen betrifft. Zwar gehen diese meist nach einigen Wochen wieder zurück, selten erreichen sie jedoch das vorherige Niveau.

Negativ ist ein langer Krieg auch für die Produktion alternativer Energie wie grünem Wasserstoff, der aus der Region kommen und auch Europa beliefern soll. In Summe würde die – ohnehin nur bedingt eingedämmte – Inflation wieder angetrieben. Europäische Industrien, die bereits heute aus vielen Gründen mit der Abwanderung von unserem Kontinent spekulieren, könnten sich dazu gezwungen sehen. Wohlstand und sozialer Friede in Europa wären davon beeinträchtigt – vielleicht sogar gefährdet.

Was heißt Regimewechsel im Iran und welche Gefahren sind damit verbunden?

Ein Zusammenbruch des Systems und ein unkontrollierter Staatszerfall des Iran – als Folge länger anhaltender Kampfhandlungen sowie weitgehender Einschränkungen der Versorgung in einem Land, das bereits heute von Hyperinflation, Wassermangel und Energieausfällen geprägt ist – wäre der denkbar schlechteste Fall für die Regionen rund um den Golf. Die Konsequenzen wären weit hinein in das restliche Asien und Europa spürbar.

Niemand vor Ort hält derzeit einen geordneten und mehr oder weniger friedlichen Übergang zu einer anderen Herrschaftsform für realistisch. Es gibt keine geeinte Opposition, und der immer öfter genannte Sohn des letzten Kaisers (Schah Reza Pahlavi) genießt mehr Ansehen im Westen als unter seinen Landsleuten.

Sowohl die Perser – also die friedliebenden, freundlichen Händler in den zahlreichen Basaren – als auch die Weltöffentlichkeit wünschen sich das frühestmögliche Verschwinden des Regimes. Dennoch birgt ein Zerfall zahlreiche Gefahren.

Die Aufteilung eines großen Flächenstaates mit 94 Millionen Einwohnern im Zuge eines Bürgerkriegs verschiedenster Gruppen – von den Kurden im Nordwesten über Araber im Südwesten, Belutschen im Osten an der Grenze zu Pakistan, Turkmenen Richtung Afghanistan und zahlreichen anderen – wäre ein Szenario „Syrien zur dreifachen Potenz“. Die Einmischung der Nachbarn sowie regionaler und globaler Mächte wäre dabei mitzudenken.

Eine solche Entwicklung halten viele noch für unwahrscheinlich und hoffen auf eine Einigung zwischen den Kriegsparteien sowie ein Nachgeben des iranischen Regimes. Nachdem alle Seiten eskalieren und derzeit Verhandlungen ablehnen, ist dieses Szenario jedoch nicht auszuschließen – und gefährlich.

Elend, Flucht und Vertreibung wären unvermeidlich. Das Entstehen neuer unkontrollierter Räume als Nährboden für Terrorismus und organisierte Kriminalität wäre vorprogrammiert, wie die Beispiele Libyen, Syrien und der Sahel in Afrika täglich zeigen.

In seinen Grenzregionen sieht sich der Iran schon lange von terroristischen Gruppen herausgefordert, die nun ihre Chancen zur Entfaltung sehen könnten. Nichts fürchten die Golfstaaten und China daher mehr als einen gewaltsam zerfallenden Iran.

Ein im Zuge des Krieges seit dem Jahr 2023 deutlich geschwächter Iran war für die Araber durchaus zufriedenstellend. Und für China war dieser der beste Garant, den Energiebedarf seines Aufschwungs günstig zu stillen.

Wer profitiert vom Waffengang – wer verliert?

Abseits von Börsengewinnen für Rüstungsunternehmen, Technologieunternehmen und jenen Energiekonzernen, die nicht – wie der saudische Aramco-Konzern – durch beschädigte Anlagen betroffen sind oder deren Produktion, wie bei den katarischen Flüssiggasanlagen, vorübergehend eingestellt wurde, sind die Entwicklungen auf den Märkten unterschiedlich.

Langfristig profitieren viele Börsen von Kriegen – ebenso jene Finanzinstitutionen, die sie letztlich finanzieren. Kriegsschulden zahlt man bis zu 100 Jahre zurück.

Auch China könnte am Ende Nutznießer sein. So wird der Einsatz der US-Marine zu Abnützungseffekten führen, die den USA im Wettlauf um die Vorherrschaft auf See schaden könnten. Schon jetzt liegt China bei der Produktion von Schiffen aller Art voran.

Für Russland bringen hohe Energiepreise Vorteile in der Finanzierung des eigenen Krieges sowie bessere Absatzchancen nach Asien durch den Ausfall von Lieferungen aus der gesamten Golfregion. Die Wirtschaftsverbindungen und der Technologietransfer sowie verringerte Waffenlieferungen aus dem Iran schränken Russland nur bedingt ein.

Der Eigenbedarf an Luftabwehrsystemen hat jedoch dazu geführt, dass man den Iran nicht mit diesen beliefert hat. Gleiches gilt aber auch für die Ukraine. Beim sogenannten „12-Tage-Krieg“ zwischen dem Iran, Israel und den USA im Herbst 2025 wurden Waffensysteme, die sowohl die Ukraine als auch Israel benötigen, prioritär an Letztere geliefert.

Schlecht für die Ukraine, die im härtesten Winter seit 2022 und auch danach von einer funktionierenden Luftabwehr zum Schutz ihrer Infrastruktur abhängt.

Im Zuge des Krieges drohen sich die USA und der Westen global – und teilweise auch an der Meinungsfront im eigenen Land – zu delegitimieren. Während in unseren Breiten auch dann Verständnis für den Angriff geäußert wird, wenn zahlreiche Völkerrechtsexperten diesen als illegalen Akt qualifizieren, herrscht andernorts die Meinung, dass der Westen doppelbödig sei.

Dort, wo es passt, würden Menschenrechte und Völkerrecht entweder zitiert oder ignoriert – je nachdem, ob es den eigenen Zwecken und Interessen dient. Gleichzeitig werde weggeschaut, wenn auf anderen Kontinenten Genozide und Kriegsverbrechen geschehen – etwa im Kongo oder im Sudan – oder Kriegsparteien würden zumindest indirekt unterstützt, ohne sie öffentlich zu benennen oder zu sanktionieren.

Ein Umstand, der spätestens seit 1999 und dem Angriff der NATO auf Serbien die Sichtweisen verschiedener Weltregionen bis heute spaltet.

Für China mit seiner allfälligen Ambition zur Wiedereingliederung Taiwans ist das ein weiteres Argument für die eigene Legitimität. Letztlich gilt das auch für Russland, das durch geschickte Verbreitung derartiger Sichtweisen Zustimmung für sich und Ablehnung des Westens in anderen Weltregionen zu erzeugen versucht.

Der Kampf um die Köpfe ist ebenso Teil der Kriegsführung wie der Einsatz militärischer Mittel am Gefechtsfeld.

Mit der Tötung Chameinis und einer fortgesetzten Kriegsführung werden religiös motivierte Terroranschläge weltweit wieder wahrscheinlicher werden. In Europa und seinen zunehmend durch Einwanderung aus dem Nahen und Mittleren Osten sowie Nordafrika geprägten Gesellschaften trägt der vierte Golfkrieg zu weiteren Spaltungstendenzen bei.

Ein Umstand, der nicht davon abhalten darf, dem menschenrechtswidrigen Vorgehen des Iran gegen seine eigene Bevölkerung angemessen entgegenzutreten. Zugleich bleibt das eigene Verhalten in Demokratien legitimationspflichtig – besonders dann, wenn deren innere Kohäsion bereits durch zahlreiche andere Risiken herausgefordert ist.

Das **Risikobild des Bundesministeriums für Landesverteidigung** zeigt diese komplexen Zusammenhänge seit Jahren auf und hilft, sie besser zu verstehen. Besonders die Risiken im Umfeld Europas in Verbindung mit globalen Entwicklungen, ökonomischen Einflüssen und deren Konsequenzen für Verteidigungsnotwendigkeit, Krisenbewältigung und innerstaatliche Resilienz werden von den Autoren klar dargestellt und in ihrer Vernetzung aufgezeigt.

Wer sich intensiver damit befassen will, ist herzlich eingeladen, sich darin zu vertiefen.

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