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Die Aufstellung der B-Gendarmerie

von Walter Blasi/Wolfgang Etschmann

Kurzfassung

◄ Die Westorientierung der Zweiten Republik wurde erstmals 1948 mit der Annahme des Marshallplanes manifest, der das Ziel einer Stärkung der europäischen Staaten zwecks Immunisierung gegen den sowjetischkommunistischen Einfluss verfolgte. Die Machtübernahme der Kommunisten in Budapest und Prag sowie die vermutete kommunistische Bedrohung im Inneren, die sich im Generalstreik gegen das 4. Lohn- und Preisabkommen artikulierte, ließen die österreichische Regierung zum "geheimen Verbündeten" der westlichen Besatzungsmächte werden. Eine deutliche Westorientierung in der österreichischen Außen- und Sicherheitspolitik zwischen 1950 und 1953 war die Folge.

Die kommunistische Machtübernahme in Prag war der Auslöser für die geheime Wiederbewaffnung Österreichs, die in erster Linie von den USA betrieben wurde. Für den US-Oberkommandierenden und Hochkommissar in Österreich, General Keyes, war es wichtig, kein militärisches Vakuum entstehen zu lassen, das im Falle eines Vertragsabschlusses von kommunistischer Seite für einen Putsch genutzt werden könnte. Er übte auf Pentagon und die österreichische Regierung massiven Druck aus, Spezialverbände der Gendarmerie zu schaffen; als Folge wurden im Winter 1950/51 pro Westzone ein je 500 Mann starkes Alarm-Bataillon aufgestellt.

Diese Alarm-Bataillone bildeten den Nukleus für den als "Sondergendarmerie", bzw. später als "B-Gendarmerie" bekannt gewordenen Vorläufer des Bundesheeres; daneben gab es noch die als "Aufgebot" titulierte Registrierung des österreichischen Wehrpotenzials sowie die Vorarbeiten zur Aufstellung einer österreichischen Armee. Am 1.8.1952 wurden die Sonderformationen zu "Gendarmerieschulen", gleichzeitig traten die ersten Heeresoffiziere ihren Dienst an.

Da der "Alliierte Rat Österreich" am 10.12.1945 jede militärische Tätigkeit untersagt hatte, mussten alle Aktivitäten der B-Gendarmerie unter großen Vorsichtsmaßnahmen erfolgen; im Laufe der Zeit wurde die Förderung durch die USA expliziter, die Duldung durch die anderen Westalliierten offensichtlicher und der Argwohn der Sowjets größer. Die österreichische Seite leugnete stets den militärischen Charakter der Militärschulen.

Die Ausbildung an diesen Schulen war durch infrastrukturelle Unzulänglichkeiten, Personalmangel und finanzielle Restriktionen limitiert, wenn auch Washington Österreich bereits 1948 ins Military Assistance Program einbezogen hatte. Unter diesem geheimen Unterstützungsprogramm begannen Rüstungslieferungen und finanzielle Zuwendungen an das österreichische Remilitarisierungsprogramm, die bis in den Oktober 1955 andauerten.

Als 1955 der Staatsvertrag das Ende der alliierten Besetzung des Landes signalisierte, gab es Stimmen, die B-Gendarmerie an Stelle des Bundesheeres zu belassen bzw. den Exekutivkörper zu behalten und das Bundesheer unabhängig von diesem aufzubauen - eine Überlegung, die an materiellen und personellen Schwierigkeiten scheitern musste. Das mit militärischen Angelegenheiten befasste Bundeskanzleramt richtete am 15.7.1955 das Amt für Landesverteidigung als Sektion VI des Bundeskanzleramtes ein; knapp eine Woche später wurden ihm die Gendarmerieschulen unterstellt, die in "Provisorische Grenzschutz-Abteilungen" umbenannt wurden. Damit ging die B-Gendarmerie im Bundesheer der Zweiten Republik auf. ►


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Die Aufstellung der B-Gendarmerie

Das Jahr 1952 - eine Betrachtung der politischstrategischen Rahmenbedingungen und die Entstehung der bewaffneten Macht in der 2. Republik

Die politische Teilung Europas war im Jahr 1952 ein bereits abgeschlossener Vorgang. Schon einzelne Aspekte der Konferenz von Potsdam (Ende Juli 1945) waren ein deutliches Signal für das Ende der so genannten "Anti-Hitler"-Koalition gewesen. Die am Ende des Zweiten Weltkrieges erkennbare Polarisierung zwischen den westlichen Großmächten hatte bald eine weitere Phase erreicht, in der nach dem Bedrohungsbild des westlichen Verteidigungsbündnisses ein Krieg zwischen der Sowjetunion und den Westalliierten in Europa nicht mehr ausgeschlossen werden konnte. Die Spannungen zwischen der Sowjetunion und Jugoslawien, der Bürgerkrieg in Griechenland 1945 bis 1949, die Stärke der kommunistischen Parteien in Frankreich und Italien sowie die Blockade Berlins und die "Berliner Luftbrücke" von Juni 1948 bis Mai 1949 ließen die politische und militärische Führung der USA zu diesem Schluss kommen.

Die Etablierung der kommunistischen Herrschaft in Osteuropa, die von Stalin massiv in den Jahren 1947 bis 1950 betrieben wurde, sowie das Bestehenbleiben eines hohen quantitativen Niveaus (rund 175 Divisionen) des sowjetischen Heeres sowie einer rapiden technischen Weiterentwicklung der sowjetischen Luftstreitkräfte hatten in den USA und in den mit ihnen verbündeten europäischen Staaten zum Beurteilungsergebnis geführt, dass seitens der Sowjetunion und ihrer Satellitenstaaten ein militärischer Angriff auf Westeuropa geplant sein würde.

Die Position der USA und das Entstehen eines westlichen Verteidigungsbündnisses

Die USA waren wohl die wirtschaftlich und militärisch dominierende Weltmacht. Bereits unmittelbar nach dem Ende des Krieges in Europa waren trotz einer rasanten Demobilisierung, die das militärische Potenzial sowohl der USA als auch Großbritanniens in Europa innerhalb von 18 Monaten massiv reduziert hatte, militärische Planungen für eine Verteidigung Westeuropas und des Nahen Ostens gegen einen sowjetischen Angriff durchgeführt worden. Tatsächlich verfügten die USA in Nordwesteuropa nur über ein Äquivalent von eineinhalb und Großbritannien über zwei Infanteriedivisionen.

Die militärstrategischen Planungen der USA zwischen Herbst 1945 und 1951 suchten unter Einbeziehung einer Strategie, die sich auf das bis 1949 bestehende Atomwaffenmonopol und die vorläufige Schwäche der konventionellen Streitkräfte gründete, eine Lösung der Frage, wie Europa zu verteidigen wäre. Die Planungen Pincher, Broiler, Bushwacker, Halfmoon, Offtackle und Dropshot hatten das Szenario eines sowjetischen Großangriffs auf den Westen als Grundlage.

Neben diesen militärischen Planungen waren jedoch auch die Umsetzung des Marshall-Plans, der eine wirtschaftliche Gesundung der vom Krieg schwer getroffenen europäischen Länder zur Folge haben sollte, und die Gründung einer westeuropäischatlantischen Verteidigungsgemeinschaft ein wesentliches Element der Stabilisierung.

Die Führungsrolle der USA, die mit der Truman-Doktrin vom März 1947 klare Aussagen über ihre Politik gegenüber der kommunistischen Expansion gemacht hatten und die sich in der sich nun rasch bildenden westlichen Verteidigungsgemeinschaft profilierten, kristallisierte sich von Monat zu Monat deutlicher heraus. Als erste Vorstufe zur NATO-Gründung kann der Vertrag von Dünkirchen vom 4.3.1947 gesehen werden, der ein Militärbündnis zwischen Großbritannien und Frankreich gegen eine eventuelle neuerliche deutsche Machtexpansion darstellte.

Am 17.3.1948 wurde im Vertrag von Brüssel, wenige Wochen nach der kommunistischen Machtübernahme in der Tschechoslowakei, eine Militärallianz zwischen Frankreich und Großbritannien, Belgien, den Niederlanden und Luxemburg unterzeichnet, der knapp mehr als ein Jahr später die Gründung des Nordatlantikpaktes im Vertrag von Washington am 4.4.1949 folgte.

Wenig später konkretisierten sich erste Überlegungen, Deutschland in die westliche Verteidigungsallianz einzubinden.

Die Schwächung der britischen Position in Europa

Der Handlungsspielraum der seit Ende Juli 1945 regierenden Labour-Regierung unter Premierminister Clement Attlee war auf wirtschaftlichem Gebiet vorerst äußerst gering. Bis Ende August 1945 waren praktisch alle Goldreserven und Auslandsguthaben bereits aufgebraucht worden. Im Dezember 1945 wurde in Washington ein Wirtschaftshilfeabkommen mit den USA unterzeichnet, das auf die reale Machtkonstellation zwischen den westlichen Alliierten mit aller Deutlichkeit hinwies. 1949 wurde erneut eine massive Abwertung des britischen Pfunds notwendig. Die Einbeziehung Großbritanniens in die Marshall-Plan-Hilfe ab Juni 1947 brachte aus dem ERP-Fonds Mittel im Ausmaß von 4,5 Mrd. USD für die britische Wirtschaft, die jedoch in einigen Bereichen bis 1954 strengen Lenkungs- und Rationierungsmaßnahmen unterliegen sollten.

Von September 1945 bis Dezember 1946 war der Personalstand der britischen Streitkräfte von mehr als 5,1 Mio. auf knapp 1,25 Mio. Mann abgesunken. Im März 1948 befanden sich noch rund eine Million Soldaten unter Waffen. Die Stärke des Heeres betrug zu diesem Zeitpunkt etwa zwei Drittel der Stärke der US-Army, wobei jedoch die Bevölkerungszahl Großbritanniens nur ein Viertel jener der USA ausmachte.

Durch die Einführung des National Service (der einer De facto-Beibehaltung der Allgemeinen Wehrpflicht entsprach - erst in der Dauer von 12, ab 1948 von 18 Monaten und schließlich ab 1950 von zwei Jahren), der für britische Verhältnisse paradoxerweise in Friedenszeiten von einer Labour-Regierung geschaffen wurde, wuchs die Armee bis 1953 auf zehn aktive und Reservedivisionen der Territorial Army an. Auch die beiden anderen Teilstreitkräfte sanken (mit einem wesentlich geringeren Prozentsatz an Wehrpflichtigen) sowohl in der Personalstärke als auch in der Quantität der Bewaffnung und Ausrüstung nach der Zeit des Korea-Krieges trotz der Fortdauer der Kämpfe in einzelnen Kolonien weiter ab.

Trotz der unterschiedlichen Zielvorstellungen und der Praxis in der Wirtschafts- und Innenpolitik ließ sich eine weit gehende Kontinuität der britischen Außenpolitik auch unter der Labour-Regierung zwischen 1945 und 1951 nachweisen. Diese betraf die britischen Vorstellungen für Nachkriegs-Europa und auch den langsamen Rückzug aus den Kolonien.

Die Einrichtung vorläufiger Besatzungszonen in Deutschland und in Österreich war durch die Ausübung einer rigorosen militärischen Kontrolle und das Bestreben gekennzeichnet, die wirtschaftlichen Verhältnisse in diesen Gebieten so rasch wie möglich zu normalisieren.

Der Begriff "Eiserner Vorhang", der zwar keine Erfindung Churchills, aber in einer Rede in Fulton am 5.3.1946 plakativ von ihm gebraucht worden war, prägte für mehr als 40 Jahre das Denken über die ideologischpolitische Teilung Europas. Die schrittweise Machtübernahme der kommunistischen Parteien in den osteuropäischen Staaten und die Gefährdung Griechenlands führten weiter zu einer tiefen Beunruhigung in Großbritannien, da ein Ende der kommunistischen Machtexpansion kaum absehbar erschien.

Der Aufbau einer westlichen Verteidigungsgemeinschaft konnte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass man im Bereich der US-Außenpolitik schon vor 1945 der Ansicht war, dass auch ein reformiertes Britisches Empire als modernisiertes Commonwealth nicht mehr in der Form vor 1939 weiter existieren sollte. Ebenso wie sein Vorgänger war US-Präsident Truman der Ansicht, dass die meisten britischen Kolonien und Mandatsgebiete nach 1945 nicht mehr zu halten waren und in geordneter Form in einem absehbaren Zeitraum, der eine politische Selbstverwaltung und eine ökonomische Eigenständigkeit ermöglichte, in die Unabhängigkeit entlassen werden sollten.

Die trotz dieser Meinungsverschiedenheiten noch immer enge Bindung an die USA führte schließlich zur Entsendung von britischen Verbänden nach Korea und letztendlich zur Aufstellung eines divisionsstarken Verbandes, der aus britischen, kanadischen und australischen Brigaden bestand (Commonwealth- Division). Ebenso kämpften Marine- und Luftwaffenverbände des Commonwealth auf diesem Kriegsschauplatz, der zwar außerhalb der britischen Interessenssphäre lag, aber eine Möglichkeit der Solidaritätsbezeugung eines der wichtigsten Mitglieder der westlichen Allianz in der Phase des "Containment" und des "Roll back" bot.

Unabhängig vom Einsatz in Korea war der Beginn der Dekolonisierung schon in wesentlichen Regionen des Britischen Empire - und für die britische Seite weit gehend unblutig - abgeschlossen worden: Das Kaiserreich Indien hatte mit dem 15.8.1947 seine Unabhängigkeit erhalten, wobei es allerdings Lord Louis Mountbatten als letztem Vizekönig trotz zäher Verhandlungen nicht gelungen war, die Teilung des Landes in je einen überwiegend von Hindus und einen mehrheitlich von Moslems bewohnten Teilstaat zu verhindern. Massenvertreibungen, riesige Fluchtbewegungen und Gewaltexzesse kosteten etwa einer Million Menschen das Leben und führten zu einem latenten Spannungszustand zwischen den beiden neuen Staaten Indien und Pakistan.

Frankreichs Versuch einer Restauration in Indochina

Die französische Regierung ließ 1945 trotz der prekären wirtschaftlichen Situation keinen Zweifel daran, dass die Herrschaft in Indochina, die bis 1940 bestanden hatte, wieder hergestellt werden sollte. Auch die geplante Einsetzung des schon 1932 zum "Kaiser von Annam" ernannten Bao Dai als Regenten ohne eigentliche Machtbefugnis war als restaurative Maßnahme zu sehen. Andererseits gab auch die politische Führung des Vietminh eindeutig zu verstehen, dass man einer Rückkehr zu den Vorkriegszuständen, einen bewaffneten Widerstand bis zum Sieg entgegensetzen würde. Als zu Ende des Jahres 1945 General Philippe Leclerc mit einer divisionsstarken Kampfgruppe in Saigon eintraf, existierte in Tongking bereits die von Ho Chi Minh ausgerufene "Demokratische Republik Vietnam". Die reale Existenz dieser Republik währte jedoch nicht allzu lange. Am 6.3.1946 landeten französische Truppen in Haiphong und marschierten kurz darauf in Hanoi ein.

Ho Chi Minh und sein nunmehriger Innenminister Vo Ngnyen Giap verhandelten bis zum Herbst mit den Emissären General Leclercs. Erfolge für eine politische Lösung blieben in Vietnam ebenso aus wie in Paris. Mitte Oktober 1946 zerschlug Giap die antikommunistische Opposition in Tongking und bereitete das Gros seiner Vietminh-Verbände auf die bewaffnete Auseinandersetzung mit den Truppen der Kolonialmacht vor.

Die Organisation der Vietminh hatte zahllose Dörfer zu einer militärisch geschlossenen Einheit geformt, der Kampf wurde nach Partisanentaktik geführt: Nach genauer Erkundung wurden neben entlegenen Stützpunkten auch stärkere Polizei- und Armeestützpunkte angegriffen. Nach dem Angriff zogen sich die Guerillas zurück. Groß angelegte Gegenmaßnahmen mit militärischen Mitteln blieben daher oft erfolglos, da die Guerillas als harmlose Dorfbewohner in der Masse der Zivilbevölkerung untergetaucht waren oder als geschlossene Einheit im Dschungel verschwanden.

Die französischen Streitkräfte waren nach dem Zweiten Weltkrieg durch amerikanische und britische Kriegsmateriallieferungen in der Endphase des Krieges modern ausgerüstet worden und galten für den Kampf auf dem europäischen Kriegsschauplatz als hervorragend geeignet. In Indochina herrschten jedoch ganz andere Bedingungen. Obwohl zu Ende des Jahres 1949 in Indochina bereits 150.000 Mann eingesetzt waren, stellte diese Streitmacht keine allzu große Bedrohung für die Vietminh dar. Bei den französischen Luftstreitkräften fiel die unzureichende quantitative und qualitative Ausstattung ins Gewicht. Französische Operationen im Herbst 1950 zur Säuberung des Raums nordwestlich von Hanoi waren unter schweren Verlusten gescheitert. Der Guerillakrieg trat nun wieder in den Mittelpunkt der militärischen Aktionen.

Im Frühjahr 1953 verlagerte sich der Schwerpunkt der Kampfhandlungen ins nördliche Laos. Die Franzosen konnten dort ihre Positionen zwar vorerst halten, die Initiative lag jedoch nun bis zum Kriegsende 1954 eindeutig beim Gegner.

Der Einsatz Großbritanniens in Malaya

Am 1.2.1948 war von der britischen Verwaltung in Malaya eine Verfassung oktroyiert worden. Sie sah die Schaffung der "Federation of Malaya" vor, welche die neun Sultanate und die britischen Kronkolonien Penang und Malakka umfasste.

Die rasch gebildete Malayan Races Liberation Army (MRLA), die von der illegalen Kommunistischen Partei Malayas aufgebaut wurde, begann ihre Aktionen mit vorerst 3.000 Partisanen am 16.6.1948. Mehr als 90% der Partisanen waren Chinesen, der Rest setzte sich aus antimonarchistischen beziehungsweise republikanischen Malaien zusammen, die für eine Beseitigung der Sultanate kämpften.

Die von den Sicherheitskräften (etwa 12.000 britische Soldaten, 30.000 britische und malaiische Polizisten und Hilfspolizisten sowie 15.000 Dorfmilizen = Home Guards) bis zum Jahresende 1948 gegen die zu diesem Zeitpunkt etwa 4.000 bis 5.000 Partisanen erzielten Erfolge konnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass den Streitkräften ein langer, blutiger unkonventioneller Krieg bevorstand, der ebenso unkonventionelle Führungsverfahren erfordern würde.

Nach wechselvollen Kämpfen in den Jahren 1949 und 1950, die keiner der beiden Seiten einen greifbaren Erfolg brachten, begann sich langsam die Waagschale zu Gunsten der britischen Verwaltung und der militärischen Kräfte zu neigen.

Trotz der kräftemäßigen Anspannung durch den Korea-Krieg gelang es, ausreichend gut ausgebildete Heeresverbände der britischen Armee nach Malaya zu verlegen. Der stetige Ausbau der Polizeikräfte begann nun durch die verbesserte Ausbildung und die zahlenmäßige Überlegenheit gegenüber den Guerillas wirksam zu werden. Zu Ende des Jahres 1951 waren 90.000 britische Soldaten gegen kaum 5.000 Guerillas im Einsatz. Nicht zuletzt das sprunghafte Ansteigen des Zinn- und Kautschukpreises auf dem Weltmarkt infolge des Korea-Krieges ermöglichte es der malaiischen Regierung, Militär- und Polizeiangehörige in harter Währung zu bezahlen und das Wirtschaftsleben einigermaßen geordnet ablaufen zu lassen.

Der im Jahr 1950 beginnende Einsatz von Hubschraubern verlieh den Militär- und Polizeiverbänden eine bisher nie gekannte Beweglichkeit, wodurch auch die Versorgung schlagartig verbessert werden konnte. Auch Verwundete konnten nun binnen kurzer Zeit direkt einer effektiven Behandlung zugeführt werden.

Ungeachtet der Kampfhandlungen wurden die politischen Forderungen der malaiischen Bevölkerung nach Selbstverwaltung und Unabhängigkeit zügig erfüllt. Um diese Zeit ging auch der Zustrom für die Guerillabewegung zurück. 1960 war dieser Krieg mit der Einrichtung einer frei gewählten, demokratischen Regierung endgültig beendet.

Ein heißer Krieg im Kalten Krieg - Korea als weitere Ablenkung vom potenziellen Kriegsschauplatz Europa?

Der am 25.6.1950 mit dem Angriff nordkoreanischer Truppen auf Südkorea beginnende Korea-Krieg, in den sofort US-Truppen, Kontingente von 15 weiteren Staaten unter UN-Mandat sowie ab Ende Oktober 1950 chinesische Truppen eingegriffen hatten, befand sich im Jahr 1952 an einem "toten Punkt".

Die Sowjetunion unterstützte Nordkorea und China nicht nur durch massive Lieferungen modernster Waffensysteme, sondern auch durch die Entsendung von insgesamt 72.000 Soldaten zwischen 1950 und 1953. Nach wechselvollen und verlustreichen Kämpfen im Laufe von 18 Monaten, die schließlich zu einer weit gehenden Stabilisierung der Front in Zentralkorea führten, standen sich Anfang 1952 mindestens eine halbe Million nordkoreanische und chinesische Soldaten und auf der Gegenseite nahezu 680.000 südkoreanische, amerikanische und verbündete UN-Truppen gegenüber. Ebenso standen rund 26.000 sowjetische Soldaten als Angehörige von Jagdflieger- und Luftabwehrverbänden im Einsatz.

General Mark W. Clark übernahm am 12.5.1952 das Kommando über alle UN-Truppen in Korea. Trotz der seit knapp einem Jahr andauernden Waffenstillstandsgespräche gingen die Kämpfe zu Lande mit aller Härte weiter. Die großen Luftoperationen der UN-Luftstreitkräfte sollten bis Kriegsende keine Entscheidung bringen.

Luftkriegsdoktrin und maritime Rüstung der westlichen Allianz

Nach 1948 kam es zu einem rapiden Ausbau des Strategic Air Command (SAC) der US-Luftwaffe.

Die schrittweise Ablösung der Bomber vom Typ B-29 und B-50 durch die B-36 und schließlich durch die strahlgetriebenen B-47 hatte erhebliche Auswirkungen auf die Kampfkraft des SAC, dessen Stärke am Ende des Koreakrieges über mehr als 1.200 strategische Bomber betrug. 1952 erfolgte der Jungfernflug des Musters B-52.

Die moderne Ausstattung der US- und britischen Luftstreitkräfte in Europa wurde bis 1955 massiv vorangetrieben. Auch die NATO-Staaten, die zur Zeit der Gründung des atlantischen Bündnisses meist nur über langsam veralternde Propeller-Flugzeuge aus der Endphase des Zweiten Weltkrieges verfügt hatten, hatten diese zu Beginn der 50er-Jahre ausgemustert. Bereits 1946 war die Entscheidung gefallen, atomare Waffen in Großbritannien zu produzieren.

Durch die anfänglich mangelnde Kooperationsbereitschaft der USA gelang dieser Aufstieg zur Atommacht erst 1952. Vorerst standen aber der Royal Air Force keine geeigneten Trägersysteme für diese Waffen zur Verfügung. Vom für diese Einsätze ungeeigneten viermotorigen AVRO Lincoln-Bomber ging man auf die von den USA leihweise überlassenen Boeing B-129 Washington-Bomber über, bis ab 1956 die strahlgetriebenen Bomber der Type BAC Canberra und der V-Serie (Vickers Valiant, Handley Page Victor und AVRO Vulcan) in ausreichender Stückzahl zur Verfügung standen.

Im Bereich der maritimen Rüstung gewann die US-Navy weiterhin an Gewicht gegenüber der Royal Navy, deren Stärke schon ab 1947 massiv abnahm. Der Beginn des Baues von atomgetriebenen Unterseebooten und den Flugzeugträgern der Forrestal-Klasse, die zahlreiche moderne Düsenflugzeuge aufnehmen konnten, wies bereits in das nächste Jahrzehnt. Die sowjetische Marine, die ab 1950 ihr "Anti-Amphibik"-Programm mit dem Bau von zahlreichen Kreuzern, Zerstörern und dieselelektrischbetriebenen Unterseebooten umsetzte, war zu diesem Zeitpunkt allerdings noch keine ernsthafte Bedrohung für die Marinen des NATO-Bündnisses.

Gesamtbeurteilung des Jahres 1952 aus westlicher Sicht

Die Unsicherheitsfaktoren, die in der sowjetischen Politik zwischen 1945 und 1952 (im Jahr vor dem Tod Stalins) aus westlicher Sicht bestanden, führten zwar zu einer massiven Steigerung der Verteidigungsausgaben im westlichen Bündnis, ohne dabei allerdings die günstige volkswirtschaftliche Entwicklung in den meisten Staaten zu gefährden.

Die Intensivierung der westalliierten und auch die nachfolgend dargestellten österreichischen Bemühungen bei der beginnenden Aufstellung von Streitkräften der Republik Österreich, welche während dieser Zeit noch immer um ihre Freiheit und Souveränität ringen musste, waren nur ein Aspekt einer weltweiten Auseinandersetzung, die im Jahr 1952 in vielen Regionen der Welt intensiv ausgetragen wurde.

Rahmenbedingungen in Österreich

1945 fand sich die wiedererrichtete Republik Österreich an der Nahtstelle zwischen dem sowjetischen Einflussbereich auf der einen Seite und dem westalliierten Machtbereich, bestehend aus den USA, Großbritannien und Frankreich, auf der anderen Seite. Diese beiden Machtbereiche - in Österreich in Form einer vierzonalen Aufteilung fixiert - waren zwar im Zuge der Kriegführung gegen Hitler-Deutschland entstanden, erfuhren jedoch 1947 im Rahmen der Blockbildung des "Kalten Krieges" eine neue geostrategische Bedeutung: Der "Eiserne Vorhang", also die Grenze zwischen Ost und West, verlief quer durch das Land. Für Österreich konnte diese Situation nicht ohne Konsequenzen bleiben. Innenpolitisch war von Bedeutung, dass sich die beiden großen Parteien Österreichische Volkspartei (ÖVP) und Sozialistische Partei Österreichs (SPÖ) (anfangs zusammen mit der Kommunistischen Partei Österreichs/KPÖ) - anders als in der Ersten Republik - unter dem Druck der Realitäten und dem Zwang der Besatzungsmächte zur Zusammenarbeit in der Regierung und den Ländern fanden. So gelang es, im ganzen Staatsgebiet einer in der Sowjetzone gebildeten Regierung die Anerkennung zu verschaffen und von den Besatzungsmächten unbeeinflusste Wahlen zu ermöglichen. Das österreichische Volk entschied sich klar gegen Kommunismus und "Volksdemokratie", was den auf dem Boden der westlichen Demokratie stehenden Großparteien einen überwältigenden Erfolg gegenüber den Kommunisten bescherte. In der Außenpolitik lautete eines der populärsten Schlagwörter in den ersten Jahren der Zweiten Republik: "Weder West- noch Ostorientierung", das hieß, es sich mit keiner Besatzungsmacht zu verderben - Nahziel der österreichischen Politik war, eine Beendigung der Besetzung zu erreichen -, aber an einer klaren westlichen Präferenz festzuhalten. Die veränderte außenpolitische Situation ließ jedoch neben der viel Spielraum lassenden Formel "Weder Ost noch West" das Vorbild Schweiz stärker ins Blickfeld rücken, und ein amerikanischer Diplomat traf mit seiner Aussage im Jahre 1950 den Nagel sicherlich auf den Kopf, als er meinte, Österreich möchte "auf westlicher Seite neutral" sein, so wie dies die zahlenmäßig kleine Gruppe der Kommunisten und ihrer Sympathisanten "auf östlicher Seite" wünsche.

Die Westorientierung der Republik wurde erstmals mit der Annahme des Marshall-Plans (1948) sichtbar. Dieser verfolgte von Anfang an das Ziel einer Stärkung der europäischen Staaten zur Abwehr des sowjetischkommunistischen Einflusses. Für den wirtschaftlichen Aufschwung der teilnehmenden Länder nach dem Zweiten Weltkrieg und ihre Immunisierung gegen den Kommunismus kann daher die Bedeutung des Marshall-Planes nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Die Anlehnung an die Westmächte sollte in den folgenden Jahren noch enger werden - Österreich wurde durch die Zusammenarbeit auf dem sicherheitspolitischen Sektor mit den Besatzungstruppen der USA, Großbritanniens und Frankreichs zum "geheimen Verbündeten" des Westens. Nicht zufällig erreichten die Jahre von 1950 bis zum Frühjahr 1953 den höchsten Grad der Westorientierung in der österreichischen Außen- und Sicherheitspolitik. Die Gründe dafür waren in der raschen Abfolge von Krisen an Österreichs Grenzen (die Machtübernahme der Kommunisten 1947 in Budapest und 1948 in Prag) und der vermuteten kommunistischen Bedrohung im Inneren zu suchen. Gerade die Streiks und Arbeiterunruhen vom Herbst 1950 nach dem 4. Lohn- und Preisabkommen in Wien, Nieder- und Oberösterreich zeigten, dass die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Nachkriegszeit keineswegs überwunden waren und die politics of productivity noch nicht zum Ziel geführt hatten. Es drohte daher die Gefahr, dass v.a. die Kommunisten immer wieder versuchen könnten, wirtschaftliche Notsituationen für ihre politischen Zwecke auszunützen.

Am 4.3.1948 kam es in einer außerordentlichen Ministerratssitzung zu einer sehr ausführlichen Debatte über die Folgen der kommunistischen Machtübernahme in der Tschechoslowakei für Österreich. Innenminister Oskar Helmer (SPÖ) zeigte sich überzeugt, dass die Exekutive von den Kommunisten angezettelte Unruheversuche u.a. meistern könne, "wenn wir die entsprechenden Waffen bekommen". In der Debatte wurde sehr deutlich, dass die Bewaffnung der Exekutive völlig ungenügend war und von den Westmächten Waffen und Fahrzeuge zu verlangen wären. Diese Erkenntnis fand Eingang in ein an die Westmächte gerichtetes Memorandum, in dem die beschleunigte Bewaffnung der Polizei und Gendarmerie mit moderner Ausrüstung gefordert wurde. Sei dies auf einer Vier-Mächte-Basis nicht möglich (was nicht zu erwarten war), müssten die notwendigen Schritte eben in den Westzonen durchgeführt werden.

Auch Washington reagierte auf die Ereignisse in Prag. Die Staatsvertragsverhandlungen wurden gebremst und die geheime Wiederbewaffnung Österreichs eingeleitet. Auf Grund der Erfahrungen mit der Berlinkrise begannen die amerikanischen Militärs mit der Planung eines Flughafens in Wien, um die westlichen Sektoren im Falle einer Blockade versorgen zu können. Gleichzeitig begannen die USA im Sommer 1948 mit der Anlage geheimer Versorgungslager. Amerika begann Westeuropa massiv mit Wirtschafts- und Militärhilfe zu unterstützen, da die Bedrohung von außen durch die Sowjets und von innen durch die Kommunisten kam. Dieses "westeuropäische" Szenario traf durchwegs auch auf Österreich zu. General Geoffrey Keyes, der amerikanische Oberkommandierende und Hochkommissar in Österreich, wurde zur treibenden Kraft dafür, erst an einen Vertragsabschluss zu denken, wenn der Kern einer zukünftigen Armee geschaffen wäre. Damit sollte beim Abzug der Besatzungsmächte nach Vertragsabschluss ein militärisches Vakuum verhindert werden, da ansonsten ein kommunistischer Putschversuch die besten Erfolgsaussichten gehabt hätte. Keyes übte massiven Druck auf das Pentagon und die österreichische Regierung aus, Spezialeinheiten der österreichischen Gendarmerie aufzubauen, die als "schnelle Eingreiftruppe" einen kommunistischen Putschversuch verhindern sollten. Das Ergebnis war ein je 500 Mann starkes Alarm-Bataillon pro Westzone, deren Aufstellung jedoch erst im Winter 1950/51 erfolgte.

Die B-Gendarmerie entsteht

1951 erfolgte dann die Weichenstellung für die Gendarmerieformationen "neuen Typs". Im September und Oktober dieses Jahres sollten die Alarm-Bataillone zusammen mit den mit Panzerspähwagen ausgerüsteten Fahreinheiten ihre Verwendungsfähigkeit unter Beweis stellen. Auf Grund der dabei gemachten negativen Erfahrungen erwies sich eine Revidierung des ursprünglichen Programms als notwendig. Der amerikanische Oberbefehlshaber in Österreich, General Stafford Leroy Irwin, verlangte eine Reorganisation der Gendarmerieformationen und deren ausschließlich militärische Schulung. Schließlich sagte am 2.10.1951 die österreichische Bundesregierung dem amerikanischen Hochkommissar Walter J. Donnelly "auf dessen Drängen" den Ausbau der Gendarmerie einschließlich der Aufnahme von ehemaligen Wehrmachtsoffizieren sowie einen "österreichischen Beitrag" für den Fall eines "Notstandes", das so genannte "Aufgebot", zu.

Ab 1951/52 liefen daher in Österreich drei Remilitarisierungsprogramme größeren Umfanges: - 1. das als "Gendarmerie Increase Program" ("Gendarmerievergrößerungsprogramm"), "Gendarmeriesonderprogramm", "Sonderprogramm" oder "Sondergendarmerie" bezeichnete Vorhaben, welches in Österreich schließlich unter der Bezeichnung "B-Gendarmerie" bekannt geworden war; - 2. die "Registration, Mobilization and Utilization of Austrian Manpower", kurz als "Aufgebot" bezeichnet und - 3. die Vorbereitungsarbeiten für die (unmittelbar) nach Abschluss des Staatsvertrages aufzustellende österreichische Armee, die im Frühjahr 1948 begannen und ab 1950 erneut mit größerer Intensität betrieben wurden.

Die Westalliierten stützten sich jedoch nicht allein auf die oben angeführten sicherheitspolitischen Säulen. Seit 1947 spielten so genannte "covert operations", d.h. "verdeckte" oder "geheime" Operationen, eine beträchtliche und eher größer werdende Rolle im Rahmen der amerikanischen bzw. westlichen Politik der Eindämmung tatsächlichen oder befürchteten kommunistischen Einflusses in Europa. Aus Furcht vor einem wirtschaftlichen Kollaps in Westeuropa und der darauf folgenden Machtübernahme kommunistischer Elemente wurde die Stärkung antikommunistischer Gruppen in der Arbeiterschaft der europäischen Staaten zu einem zentralen Anliegen der "covert operations", die von der CIA massiv ausgebaut wurden. Diese geheimen Operationen beschränkten sich nicht nur auf Gewerkschaftsorganisationen, sondern schlossen auch die Unterstützung politischer Parteien mit ein. In diesem Zusammenhang sei hier auf das so genannte "Sonderprojekt" des Gewerkschaftsführers und späteren Innenministers, Franz Olah (SPÖ), verwiesen, der als Folge der Streikbewegung von September/Oktober 1950 Vorsorgen für Widerstandshandlungen (Fernmeldeverbindungen, Waffen, Sprengstoff und Transportmittel) im Falle von kommunistisch und/oder sowjetisch inspirierten Umsturz- oder Machtergreifungsversuchen organisierte. Zu den "covert operations" müssen auch die von den USA zwischen 1951 und 1954 in Westösterreich angelegten Waffenlager als Vorbereitung für Widerstandshandlungen im Falle einer sowjetischen Bedrohung (so genannter "stay behind operations") gezählt werden. Die US-Regierung hatte ihre Existenz 1996 bekanntgegeben, doch liegen bis heute keine näheren offiziellen Informationen dazu vor. Ähnlich verhielt es sich mit den britischen Waffenlagern in Kärnten, die nach Entdeckung und Plünderung durch Einheimische bereits 1960 bzw. 1965 durch die "Nachrichtengruppe"/BMLV geräumt wurden, nachdem London die österreichische Regierung über deren Anzahl und genaue Lage informiert hatte.

Das "Aufgebot"

Hierbei handelte es sich wohl um das am wenigsten bekannte Programm, das allerdings nicht isoliert von der B-Gendarmerie zu betrachten ist, weil beide Aktionen, einschließlich der Vorbereitungen für ein künftiges österreichisches Heer, miteinander verquickt waren und derselbe Personenkreis befasst war. Erste Hinweise auf die Erfassung des westösterreichischen Wehrpotenzials gab es bereits im April 1951 - das war jenes Jahr, in dem die Westmächte an einer Einbeziehung Westösterreichs in die nordatlantischwesteuropäische Verteidigungsplanung steigendes Interesse bekundeten. Zu einer tatsächlichen Einigung über dieses Programm dürfte es bei einer Besprechung am 2.10.1951 zwischen den amerikanischen Gesprächspartnern, Hochkommissar Donnelly und General Irwin, sowie den österreichischen Politikern Figl, Gruber, Helmer und Graf gekommen sein. Die Erfassung aller kriegsgedienten und in weiterer Folge wehrfähigen Männer erfolgte, nach verschiedenen Jahrgangsgruppen gestaffelt, unter der Verantwortung der Landeshauptleute der westlichen Bundesländer in so genannten (geheimen) "Landeskomitees" innerhalb des organisatorischen Rahmens der Ämter der Landesregierungen. Zentrale Koordinationsstelle in Wien war die Pensionsabteilung A unter Hofrat Emil Liebitzky (dem späteren General der Artillerie). Die Registrierung der wehrfähigen Männer erfolgte ohne Kontakt mit den Betroffenen; die Evidenzarbeiten schlossen auch die Ausscheidung der Invaliden, Überprüfung der Verlässlichkeit und "Registrierung staatsfeindlicher Elemente" ein. Bis Herbst 1954 wurden etwa 90.000 Mann erfasst. Hinsichtlich des Einsatzes der im "Notfall" aufzubietenden Männer gab es offensichtlich sowohl unter den Westalliierten als auch zwischen Westalliierten und Österreichern unterschiedliche Vorstellungen. In den Jahren 1952 bis 1954 dominierten auf westalliierter Seite für den Fall eines Angriffs aus dem Osten Überlegungen zur Evakuierung der Masse des österreichischen Wehrpotenzials, das erst nach erfolgter Ausbildung und Ausrüstung im späteren Kriegsverlauf zum Einsatz kommen sollte. Auch österreichischerseits wurde über die Bildung einer "Exilarmee" nachgedacht. Unterschiedliche Ansichten gab es jedoch auf beiden Seiten über das Ausmaß des zu verteidigenden österreichischen Staatsgebietes im Kriegsfall. Offenbar war die Realisierung ins Stocken geraten, denn auf Wunsch der österreichischen "Militärexperten" kam es im Juni 1954 zu einem Gespräch zwischen Bundeskanzler Julius Raab (ÖVP) und Vizekanzler Schärf (SPÖ) sowie Vertretern der Westalliierten. Hier kristallisierte sich der Wunsch der amerikanischen, britischen und französischen Gesprächspartner nach einer weit gehenden Unterstellung des österreichischen Wehrpotenzials unter den westalliierten (NATO)-Oberbefehl heraus, was bei Raab auf Distanz stieß. Soweit feststellbar, dürfte es zu keinen Vereinbarungen zwischen den Spitzen der österreichischen Bundesregierung und den Westalliierten gekommen sein.

Das Sondergendarmerieprogramm nimmt Formen an

Von amerikanischer Seite hatte man sich schon seit längerem vergeblich bemüht, die österreichischen Politiker von der Notwendigkeit des Aufbaus eigenständiger, von der Gendarmerie getrennter Formationen zu überzeugen. Bereits Mitte Mai 1951 schufen die Westalliierten das so genannte "Salzburger Komitee" (Salzburg Tripartite Committee), das für militärische Fragen in Verbindung mit den österreichischen Remilitarisierungsprogrammen zuständig war. Zweck dieser Einrichtung war es, die Gespräche von der politischen Ebene vermehrt auf die militärische zu verlagern. Eine weitere Folge des bereits erwähnten Gespräches am 2.10.1951 zwischen Donnelly, Irwin und österreichischen Regierungsmitgliedern war die Schaffung einer Arbeitsgruppe der österreichischen Regierung, des so genannten "Wiener Komitees", das über ausdrückliches Verlangen Irwins berufen wurde, um "für die dringend gewünschte Reorganisation und richtige Ausbildung der Gendarmerieschulen Vorschläge zu machen". Dieses bestand aus dem Generaldirektor für Öffentliche Sicherheit, Sektionschef Wilhelm Krechler (dem die Leitung der Gendarmerie in administrativer Hinsicht übertragen war), als Vorsitzendem sowie je zwei Vertretern von ÖVP (Liebitzky, der die federführende militärpolitische Persönlichkeit war, und Oberst Theodor Iglseder) und SPÖ (Oberst Johann Linsbauer und Oberst Ferdinand Linhart). Die politische Verantwortung lag bei Innenminister Helmer und Staatssekretär Graf. Das Wiener Komitee arbeitete direkt mit dem Salzburger Komitee zusammen. Als Verbindungsoffizier wurde der Bedienstete des Bundeskanzleramtes, Oberstleutnant i.G. a.D. Zdenko Paumgartten, berufen, der seine Tätigkeit in Salzburg Anfang Februar 1952 aufnahm. Neben dem Wiener Komitee kam der Pensionsabteilung A als militärisches Planungs- und Arbeitsgremium besondere Bedeutung zu. Die Gendarmerieschulen unterstanden der Generaldirektion für Öffentliche Sicherheit; wirtschaftlich waren sie den Landesgendarmeriekommanden angegliedert. Ihre Weisungen oder Befehle erhielten die Gendarmerieschulen nach Genehmigung durch das westalliierte Gremium in Salzburg vom Wiener Komitee. Das Inspektionsrecht lag ausschließlich bei österreichischen Stellen. Die US-Besatzungsmacht hatte nur die Bedingung gestellt, fallweise Inspizierungen des von den amerikanischen Streitkräften in Österreich an die österreichische Gendarmerie geliehenen Geräts vornehmen zu dürfen, das im Eigentum der US-Regierung verblieb und auf Verlangen im "Ist"-Zustand zurückzugeben war.

Im Februar 1952 stand auch der Rahmen des "Sondergendarmerieprogramms" fest: Es sollte eine sofort einsetzbare Truppe sein und nur noch in loser Verbindung zur Gendarmerie stehen. Die Stärke der sechs aufzustellenden Gendarmerieschulen wurde mit 5.000 Mann festgelegt. Damit war eine den westlichen und österreichischen Vorstellungen entsprechende Lösung gefunden worden. Wesentlich war, dass die wichtigsten Funktionen von Offizieren besetzt werden sollten, die in der Deutschen Wehrmacht gedient hatten. Es sollte gewährleistet sein, dass die Gendarmeriebataillone nicht nur militarisiert, sondern auch von Offizieren geführt wurden, die über eine entsprechende Kriegserfahrung verfügten.

Obwohl bereits im Februar 1952 alle wesentlichen Fragen geklärt waren, sollte sich der Neubeginn noch bis in den Sommer hinziehen. Gerade die Aufnahme der Heeresoffiziere, die ursprünglich auf einen Vorschlag des Wiener Komitees an die amerikanischen Militärs in Österreich zurückzuführen war, erwies sich als Stolperstein. Es wurde offenkundig, dass die Westalliierten nicht immer an einem Strang zogen, was im Laufe des B-Gendamerieprogramms noch öfter vorkommen sollte. Wegen der "unbrauchbaren Haltung der Briten", die sich die Stellenbesetzung der Gendarmeriebataillone selbst vorbehalten wollten, wurde sogar der Abzug der Formationen aus der britischen Zone erwogen. Neben der Auswahl der Heeresoffiziere nach fachlicher und führungsmäßiger Eignung spielte auf österreichischer Ebene die Parteipolitik eine nicht unerhebliche Rolle. Die Pensionsabteilung A und das Innenministerium verfügten über ein proporzmäßig geregeltes Vorschlagsrecht. Den Landesbehörden wiederum musste klar gemacht werden, dass es sich um eine Bundesangelegenheit handelte und kein Vorschlagsrecht der westlichen Landeshauptleute geltend gemacht werden könne. Zuletzt überprüften die amerikanischen Dienststellen in Salzburg jeden einzelnen der vorgeschlagenen Offiziere.

Am 1.8.1952 fielen zwei Ereignisse zusammen. In einer Besprechung des Wiener Komitees wurde entschieden, dass mit sofortiger Wirkung in den Standesausweisen der Gendarmerie die Sonderformationen nicht mehr als "Gendarmeriebereitschaften", sondern als "Gendarmerieschulen" unter Hinzufügung des betreffenden Bundeslandes zu bezeichnen waren. Am selben Tag traten auch die ersten Heeresoffiziere ihren Dienst an. Damit war die "B-Gendarmerie" geboren! Über den Namen ist lange und oft gerätselt worden. Fest steht jedenfalls, dass diese Bezeichnung - im Unterschied zur allgemeinen, der "A-Gendarmerie" (die jedoch nie so angesprochen worden ist) - erst nach der Übernahme der Gendarmerieschulen durch Heeresoffiziere in Gebrauch kam ) und zwecks Unterscheidung vom Landesgendarmeriekommandanten von Oberösterreich, Oberst Mayr, eingeführt worden sein soll. Ein Auflösungsvorschlag für den Buchstaben "B", der sehr logisch klingt, wäre "B(ereitschafts)-Gendarmerie".

Folgende Gendarmerieschulen hatten den 1.8.1952 als Aufstellungsstichtag: Oberösterreich I und II (beide in Linz-Ebelsberg), Steiermark (in Graz), Kärnten (in Villach), Tirol I (in Innsbruck) und II, wobei letztere wegen Personal- und Ausrüstungsmangels nur auf dem Papier bestand. Außerdem waren noch drei Fahreinheiten, die den Gendarmerieschulen Oberösterreich I, Kärnten (später Steiermark) und Tirol I unterstanden, und die Gendarmerieabteilung D in Stadl-Paura als gemeinsames Versorgungs- und Instandsetzungszentrum vorhanden. Es existierten somit als Basis fünf mehr oder minder einheitlich organisierte, motorisierte Bataillone und drei Fahreinheiten (Panzerspähwagenkompanien), die alle erheblich unter der Sollstärke lagen. Mit der Zuteilung der Heeresoffiziere schied ein Großteil der leitenden und dienstführenden Gendarmeriebeamten aus diesen Verbänden wieder aus; mit den Verbliebenen begann eine intensive Tätigkeit zur organisationsplanmäßigen Aufstellung der Verbände und deren Ausbildung für einen mobilen Einsatz im Verband. Die Verwaltung und Betreuung der Kasernen und Lager lag in den Händen des Bundesministeriums für Handel und Wiederaufbau (Bundesgebäudeverwaltung II).

Risiken und Geheimhaltung

Der Alliierte Rat hatte Österreich am 10.12.1945 in einem einstimmigen Beschluss jegliche Art von militärischer Tätigkeit untersagt. Während die Westalliierten diesen Beschluss stillschweigend revidierten, blieb die Sowjetunion bei ihrem "Njet", obwohl sie nicht grundsätzlich gegen ein österreichisches Heer war - nur wollte Moskau keine Vorbereitungen dulden, solange der Staatsvertrag nicht unterzeichnet war. Daher überschlugen sich in jener Zeit die Artikel und Berichte vorwiegend linkssozialistischer bzw. kommunistischer Zeitungen hinsichtlich militärischer Aktivitäten westalliierter und österreichischer Stellen, während die Remilitarisierung in der "bürgerlichen" Presse wenig Widerhall fand. Die Kommunisten und der von ihnen vorgeschobene so genannte "Friedensrat" waren mit der "Enthüllung" der wahren Ursachen der "Aufrüstung" Österreichs schnell bei der Hand: Ihrer Ansicht nach ging es um die Eingliederung Österreichs bzw. Westösterreichs in die NATO. Auch von den sowjetischen Vertretern im Alliierten Rat wurde im Zeitraum 1950 bis 1955 mehrmals die "systematische Verletzung" der alliierten Beschlüsse bezüglich Remilitarisierung zur Sprache gebracht. Das offizielle Österreich bemühte sich dagegen, die Wiederbewaffnung zu bagatellisieren und gewissermaßen zu legitimieren, denn die österreichische Regierung sah es als primäres Ziel ihrer Politik an, die Einheit des Landes nicht zu gefährden.

Auftrag, Einsatz und Zweck

Die B-Gendarmerie wuchs, wie dies Allmayer-Beck formulierte, "von den Amerikanern gefördert, von Engländern und Franzosen wohlwollend geduldet, von den Russen argwöhnisch betrachtet, von der KPÖ laufend denunziert, von der übrigen Bevölkerung aber nicht sonderlich beachtet, zu einer straffen, wohlausgebildeten Truppe heran". Welchen Zweck sollte sie erfüllen? Es war dies eine mehrfache Aufgabenstellung. Es wurde bereits erwähnt, dass mit ihrer Existenz als Vorbedingung für einen Staatsvertragsabschluss die Westmächte "sicherheitspolitisch beruhigt" werden sollten.

Obwohl die B-Gendarmerie nicht als militärische Formation gesetzlich verankert war - man musste sich der gesetzlichen Grundlagen der Gendarmerie (Gendarmeriedienstinstruktion) bedienen -, wurde v.a. dort, wo diese Grundlagen nicht ausreichten, vielfach nach den wehrgesetzlichen Bestimmungen und Ausbildungsrichtlinien des Bundesheeres der Ersten Republik agiert. Dies traf nicht nur auf die Dienstvorschriften, sondern vorerst auch auf die Zielsetzung - mit Ausnahme der militärischen Landesverteidigung - zu: Schutz der verfassungsmäßigen Einrichtungen, Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung sowie Hilfe bei Elementarkatastrophen. ) Das offizielle Österreich musste den militärischen Charakter der Gendarmerieschulen stets verleugnen.

Der Einsatz der B-Gendarmerie auf westlicher Seite stand stets in Verbindung mit dem "Aufgebot". Es kann aber davon ausgegangen werden, dass die mit militärischen Angelegenheiten befassten österreichischen Stellen über die Verteidigungsplanungen der Westalliierten, die sich in den kritischen Jahren des Kalten Krieges - von einer Verteidigung weit im Westen bis zur "Vorwärtsstrategie" so nahe am "Eisernen Vorhang" wie möglich - mehrfach änderten, kaum informiert waren. Tatsächlich wurden in all den Plänen stets unterschiedlich große Teile des österreichischen Staatsgebietes aufgegeben, was von den österreichischen Militärexperten nicht so ohne weiteres hingenommen wurde. Die geostrategische Lage des Landes war gegen Mitte der 50er-Jahre sehr schlecht, um nicht zu sagen aussichtslos; Österreich lag viel zu weit im Osten.

Was die Überlegungen hinsichtlich der B-Gendarmerie als Kern für ein künftiges Bundesheer betraf, wurde einerseits die Debatte darüber in SPÖ und ÖVP aus Desinteresse und einer antimilitaristischen Haltung heraus eher lustlos geführt; zu unterschiedlich waren die Vorstellungen über die Form des Heeres, und eine Einigung zwischen den beiden Parteien kam erst 1955 unter dem Druck des sich unerwartet abzeichnenden Staatsvertragsabschlusses zu Stande. Andererseits konnte die SPÖ mit der Lösung zufrieden sein, dass der "sicherheitspolitische Minimalkompromiss" in Form der B-Gendarmerie in dem von ihr dominierten Innenministerium angesiedelt war und die ÖVP über kein eigenes Machtinstrument verfügte. Die damit gemachten Erfahrungen der Sozialisten in der Ersten Republik dürfen keinesfalls unterschätzt werden. Schließlich dürften sich auch die schlechten Aussichten der SPÖ, genügend Vertrauensleute zu finden, um alle ihr gemäß Proporz zustehenden Offiziers- und Unteroffiziersstellen besetzen zu können und dadurch über eine entsprechende Kontrolle zu verfügen, ebenfalls hemmend auf ihr Engagement für ein Bundesheer ausgewirkt haben. Einer, der sich in der ÖVP für ein Bundesheer stark machte und gegen Tendenzen für eine militarisierte Gendarmerie in seiner Partei - und einer damit verbundenen Untermauerung der Position der SPÖ - auftrat, war Staatssekretär Graf. ) Mit anderen Worten, das (künftige) Bundesheer wurde von beiden Regierungsparteien mehr unter dem Gesichtspunkt der Innenpolitik als dem der Landesverteidigung betrachtet.

Ausbildung

Diese stand in einem engen Zusammenhang mit dem "Auftrag". Die Wochendienstpläne der Gendarmerieschulen (= Bataillone) mit ihren Unterabteilungen (= Kompanien) sahen eine militärische Ausbildung an vier Tagen (einschließlich Exerzieren) sowie an einem Tag in der Woche Unterricht im Gendarmeriedienst durch aktive Gendarmeriebeamte vor. Der Samstag war dem Innendienst bzw. dem Exerzieren bis 10 Uhr vorbehalten. Konnte zumindest dieser Ausbildungsablauf eingehalten werden, so erwies sich auf Grund unterschiedlicher räumlicher, personeller und örtlicher Bedingungen bei den einzelnen Schulen ein entsprechendes "Improvisieren" bald als notwendig. Das vom Wiener Komitee ausgearbeitete Ausbildungsprogramm war ohne Kenntnis der vor Ort herrschenden Verhältnisse erstellt worden. Es blieb zwar als Rahmen für die Ausbildung in Geltung, musste jedoch den gegebenen Verhältnissen angepasst werden. Die zur Verfügung stehenden Ausbildungsmöglichkeiten (Übungsgelände, Schießplätze, Hindernisbahnen, Kleinkaliberschießstätten, Pionierausbildungsmöglichkeiten usw.) waren so unterschiedlich, dass sich ein wöchentliches, detailliertes und einheitliches Programm als illusorisch erwies. Ebenso warfen die unregelmäßigen und immer wieder in Gruppen erfolgten Einrückungen von Freiwilligen, die in Kauf genommen werden mussten, die Programmplanungen ebenso über den Haufen wie die geringe Anzahl an Heeresoffizieren und das Fehlen von Unteroffizieren und Chargen. All das führte zu einem ungleichen Ausbildungsstand in den einzelnen Gendarmerieschulen. Um diese Mängel aber ausgleichen zu können, musste - zunächst - von der vom Wiener Komitee beabsichtigten straffen Führung abgegangen und den Verbänden die Freiheit eingeräumt werden, die vorgeschriebenen Ausbildungsziele gemäß den jeweiligen örtlichen Gegebenheiten zu erreichen. Den Militärexperten in Wien war auch durchaus bewusst, dass sich keinesfalls von heute auf morgen eine schlagkräftige Streitmacht aufstellen ließ. Sie setzten als Ziel für 1953 die Ausbildung des Zuges im Gefecht (galt auch für die Fahreinheiten) einschließlich der Heranbildung von Zugs- und Gruppenkommandanten fest. Endziel war die Ausbildung der Truppe bis zur Kompanie(ebene), damit sie "für alle möglichen Fälle eingesetzt" werden konnte.

Beim Gefechtsdienst wurde überwiegend der Angriff, nur selten die Verteidigung geübt, ferner das Verhalten im Assistenzeinsatz, die Banden- und Partisanenbekämpfung sowie Jagd- und Fernkampfunternehmungen im feindlichen Operationsgebiet. Die Fahreinheiten wurden - soweit mit dem vorhandenen Gerät möglich - sowohl im Panzerkampf als auch im Zusammenwirken mit der Infanterie geschult.

Ein wichtiges Datum für den Ausbildungssektor war der 1.10.1953, als in Enns die Gendarmerieabteilung K (= Kurse) aufgestellt wurde. Primär ging es um die Ausbildung der angehenden Offiziere zum Kommandanten und Ausbilder eines Infanteriezuges im Kompanieverband. Dahinter stand jedoch die darüber hinausgehende Aufgabe der Ausbildung von Offizieren eines irgendwann zu erwartenden Bundesheeres. Der Anfang war schwierig, bestanden doch Probleme materieller, personeller (anfangs nur drei Offiziere) und zeitlicher Natur. Am 22.10.1953 begann mit 29 "Frequentanten" die Zugskommandantenschule als "Lehrgang A", die am 17.12.1954 nach einer vierzehnmonatigen Kursdauer als "offiziersdiensttuende Zugskommandanten" (= Fähnriche) zwecks einjähriger praktischer Fortbildung zu den Gendarmerieschulen versetzt wurden. Die Ausmusterung zum Leutnant sollte allerdings erst 1956 erfolgen. Mitte Jänner 1955 wurde der "Lehrgang B", der zweite und letzte Offiziersausbildungslehrgang in der B-Gendarmerie, begonnen. Nach der 1954 erfolgten Instandsetzung des Heeresschulgebäudes in Enns war genügend Platz, so dass auch andere Kurse abgehalten werden konnten.

Personal

Abgesehen von normalen Anfangsschwierigkeiten und der vom Wiener Komitee bemängelten Qualität der von den Amerikanern gelieferten Rüstungsgüter begleiteten Personalprobleme die B-Gendarmerie in ihrem etwa zweieinhalbjährigen Bestehen. Wie erwähnt, konnten die vorgesehenen Stärken nicht erreicht werden. Die Personalsituation war bei Offizieren, Unteroffizieren und Hilfsgendarmen völlig unterschiedlich. Als 1952 von einem Ministerkomitee der Bundesregierung die Einstellung ehemaliger Heeresoffiziere als "leitende Gendarmeriebeamte" bei den Gendarmerieschulen beschlossen wurde, waren diese zwar in genügender Zahl vorhanden, hatten jedoch nach 1945, da es kein Heer gab, irgendeinen anderen Beruf ergreifen müssen und waren daher nur bedingt verfügbar. Bei jenen, die im Bundes- oder Landesdienst untergekommen waren (der geringere Teil), war eine Überleitung nicht so schwierig. Der Großteil der Offiziere musste erst aus der Privatindustrie abgeworben und von ihrer neuen, wenn auch zweifelhaften Zukunft überzeugt werden. Sie wurden mittels Sondervertrag als Vertragsbedienstete mit in Aussicht gestellter Reaktivierung bzw. Pragmatisierung angestellt, allerdings war 1952 noch kein Ende dieses Provisoriums abzusehen und eine gesicherte Existenz nicht in Sicht. Hinzu kam noch erschwerend, dass die Masse der Offiziere in ihren früheren Zivilberufen besser verdient hatte. Eine große Portion Idealismus, Zukunftsvertrauen und v.a. Liebe zum früheren, erlernten Beruf muss den Heeresoffizieren, die sich dennoch für den Dienst in der B-Gendarmerie entschieden, bescheinigt werden. Auch dienstgradmäßig wurden die Offiziere nicht verwöhnt. Im Durchschnitt führten sie - die auch nicht mehr die "Jüngsten" waren - jenen Dienstgrad (oder gar einen um eine Stufe niedrigeren), den sie am Ende des Zweiten Weltkrieges schon in der Deutschen Wehrmacht getragen hatten.

Die Einstellung von ehemaligen Unteroffizieren war anfänglich überhaupt nicht und nach zwei Jahren noch schleppender als bei den Offizieren möglich. Zwar wurde vom Wiener Komitee die Einstellung ehemaliger Unteroffiziere (Spezialisten wie Waffenmeister, Zeugsunteroffiziere, Funk- und Kraftfahrzeugmechaniker usw.) in Angriff genommen, doch lag eine Schwierigkeit darin, den gewünschten Personenkreis anzusprechen, da eine öffentliche Ausschreibung auf Grund der Geheimhaltung nicht möglich war und ein Verbindungsnetz wie bei den Offizieren fehlte.

In den letzten Monaten der B-Gendarmerie konnte eine Umschichtung des Unteroffizierskorps vorgenommen werden, und es wurde bis zur Unterzeichnung des Staatsvertrages ein Stand von 200 altgedienten Unteroffizieren (neben 340 Offizieren) erreicht. Dem Zugang an altgedienten Unteroffizieren stand der Abgang der als Unteroffiziere verwendeten Gendarmeriebeamten gegenüber, die wieder ihre alten Posten im Exekutivdienst besetzten. Von dieser Gruppe an Gendarmeriebeamten blieb der B-Gendarmerie nur ein geringer Teil erhalten.

Auf Grund der relativ schlechten wirtschaftlichen Lage und der damit verbundenen hohen Arbeitslosigkeit war gerade in den 50er-Jahren der Staatsdienst attraktiv, wie Zeitzeugen übereinstimmend als Motiv für den Eintritt in die Gendarmerie bestätigen. Dennoch verlief die Rekrutierung unbefriedigend; je nach Bundesland litten manche Gendarmerieschulen an Personalmangel, andere wiederum verzeichneten Überschüsse. Die bevölkerungsreichsten Gebiete Österreichs waren unter sowjetischer Kontrolle, und daher war es dort besonders schwer, Menschen für den Dienst in einer westlichen Zone zu gewinnen. Dennoch fanden auch Freiwillige aus der sowjetischen Besatzungszone zur B-Gendarmerie. Ihre Rekrutierung erfolgte in der in der britischen Besatzungszone gelegenen Rennwegkaserne in Wien. Besonders zahlreich waren die Rekrutierungen in der Steiermark und in Oberösterreich.

Ende 1953 erfolgte eine Erhöhung der geplanten Sollstärke von 5.000 Mann als Folge der radikalen Reduktion der Besatzungstruppen in der britischen und französischen Zone, die eine Reaktion auf den Verzicht der Briten und Franzosen auf Zahlung der Besatzungskosten seitens Österreichs war. Die weit gehende Entblößung der beiden Zonen von Truppen veranlasste Bundeskanzler Raab, bei den Amerikanern eine Aufstockung der B-Gendarmerie um 3.300 Mann zu beantragen; organisatorisch bedeutete dies die Vermehrung der sechs bestehenden Bataillone auf zehn. Tatsächlich war es nicht einmal gelungen, den geforderten Stand von 5.000 Mann zu erreichen; es konnten lediglich 4.000 Mann gewonnen werden. Auch die Ende 1953 beantragte Aufstockung auf insgesamt 8.300 Mann wurde jedoch, wie der Stand von 6.500 Mann für Mai 1955 zeigte, nicht erreicht.

Finanzierung

Angesichts der Sorge vor einer sowjetischen Expansion erlangte Österreich eine Sonderstellung: Die Joint Chiefs of Staff der US-Streitkräfte befürworteten für die Republik als das einzige Land außerhalb der NATO militärische Hilfe. Die Befürchtung, Österreich könnte nach dem Abzug der westlichen Besatzungstruppen dem sowjetischen Expansionismus oder von Kommunisten angezettelten Unruhen zum Opfer fallen, wurde sowohl von Militärs als auch Beamten im US-Außenministerium geteilt. Mit der Präsenz von amerikanischen (bzw. westalliierten) Truppen in Österreich war nämlich eine durchgehende Front gegen die UdSSR und ihre Satelliten von Italien bis zur Nordsee errichtet worden. Diese Linie sah Washington auf Grund der militärischen Schwäche der Republik nach Unterzeichnung des Staatsvertrages gefährdet. Bereits im Dezember 1948 wurde die Einbeziehung Österreichs in das "Military Assistance Program" (MAP) vereinbart. Dieser Schritt war so geheim, dass jede öffentliche Diskussion über die militärische Unterstützung an Österreich untersagt wurde. Kein anderer Teil des vorgeschlagenen MAP wurde als so sensibel eingestuft. Damit begannen die Rüstungslieferungen und finanziellen Zuwendungen an das österreichische Remilitarisierungsprogramm, die nach fast siebenjähriger Dauer mit dem Abschluss des Gendarmeriesonderprogramms am 25.10.1955 ein Ende fanden.

Mit der Zurverfügungstellung von Ausrüstung und Bewaffnung allein war es aber nicht getan. Das Personal musste besoldet, die Infrastruktur in Stand gesetzt und erhalten sowie der laufende Betrieb der Gendarmerieschulen finanziert werden. Auf Grund eines Kalkulationsfehlers des Wiener Komitees wurde den Amerikanern ein zu geringer Betrag in Rechnung gestellt, weshalb aus dem Budget der Gendarmerie zugeschossen werden musste. Auf Grund künftiger Budgeteinsparungen wurde daher um "Übernahme der Gesamtkosten des Sondergendarmerieprogrammes auf Besatzungsdauer" gebeten. Die Amerikaner zeigten sich allerdings nur unter zwei Voraussetzungen bereit, einer höheren Finanzierung zuzustimmen: erstens, wenn eine "Verpolitisierung" der Aktion (Vorwurf der unzulänglichen fachlichen Leitung durch ein politisches Komitee und der auf Erringung von politischem Einfluss der Parteien ausgerichtete Personalpolitik) vermieden und zweitens eine getrennte Verrechnung der beiden Gendarmerietypen (offenbar aus Misstrauen wegen früherer nicht völlig geklärter Verwendung von Mitteln im Zuge des Remilitarisierungsprogramms) sichergestellt werde. Zumindest die Bedingung der getrennten Verrechnung wurde erfüllt und am 28.10.1953 im Innenministerium eine eigene Abteilung mit der Bezeichnung 5/Sch (= Schulen) geschaffen. Sie verfügte nun im Auftrag des Innenministeriums bzw. der Generaldirektion für die öffentliche Sicherheit direkt und nicht mehr über die Landesgendarmeriekommandanten über die Gendarmerieschulen und Abteilungen der B-Gendarmerie.

Das Ende der B-Gendarmerie: die Provisorischen Grenzschutzabteilungen und das Amt für Landesverteidigung Mit den Erklärungen des sowjetischen Außenministers Wjatscheslaw Molotow zur Österreichfrage am 8.2.1955 kam Bewegung in die seit der Berliner Konferenz von 1954 neuerlich festgefahrenen Staatsvertragsverhandlungen. In den Moskauer Verhandlungen vom April 1955 wurde bei bilateralen Verhandlungen zwischen der sowjetischen und österreichischen Regierung jener Durchbruch erzielt, der den Abschluss des Staatsvertrages ermöglichte. Dieser wurde durch die flexiblere neue, über Europa hinausreichende sowjetische Außenpolitik der "friedlichen Koexistenz" möglich, die nichtkommunistischen, durch kein Militärbündnis mit dem Westen und dessen Führungsmacht verbundenen Staaten einen neuen Rang in der sowjetischen politischen Strategie einräumte. Die Westmächte, deren Skepsis groß war, akzeptierten schließlich die Formel von der Neutralität nach Schweizer Muster für Österreich. Entscheidend war, dass es sich dabei um eine "bewaffnete Neutralität" handeln sollte. In Österreich blühten allerdings die seltsamsten Irrmeinungen, Missinterpretationen und Wunschträume hinsichtlich der immerwährenden Neutralität im militärischen Sinne. Als geradezu klassisch kann die Antwort von Außenminister Figl auf die diesbezüglichen Erläuterungen gelten: "Ich verstehe schon. Daher müssen wir auch eine Wehrmacht haben, die an den Grenzen im Ernstfall mindestens fünf Schuss abfeuern wird." Die Auswirkungen einer solchen Denkweise sind bis heute spürbar, glaubt man doch, "Sicherheit zum Nulltarif" erhalten zu können.

Zunächst war keineswegs sicher, dass die Tage der B-Gendarmerie tatsächlich gezählt waren. Es gab nämlich durchaus Überlegungen, gar kein Heer aufzustellen, sondern es einfach bei der B-Gendamerie zu belassen - eine Lösung, die in der ÖVP von Bundeskanzler Raab befürwortet wurde und in der SPÖ in Bundespräsident Theodor Körner und Innenminister Helmer Anhänger fand. Es wurde auch erwogen, diesen relativ schlagkräftigen und einsatzbereiten Exekutivkörper geschlossen zu erhalten und die Aufstellung des Bundesheeres unabhängig von ihm durchzuführen; solche Überlegungen mussten aber an materiellen und personellen Schwierigkeiten scheitern. Die Amerikaner wiederum hegten Befürchtungen, in Österreich würden nach Abschluss des Staatsvertrages pazifistische Strömungen überhand nehmen und das Land die ihm im Staatsvertrag gebotenen Möglichkeiten zur Verteidigung gar nicht nützen. Keinesfalls unterschätzt werden dürfen die Nachwirkungen aus früheren Zeiten, z.B. das Misstrauen der Sozialdemokraten gegenüber der staatlichen bewaffneten Macht im Hinblick auf den Bürgerkrieg des 12.2.1934. Die Absicht, ein Bundesheer aufzustellen, wurde schließlich in den "Erläuternden Bemerkungen" zu dem vom Nationalrat am 22.6.1955 verabschiedeten Gesetz über "den Wirkungsbereich des Bundeskanzleramtes in Angelegenheiten der Landesverteidigung" eindeutig fixiert.

Da das Bundeskanzleramt dem Koalitionspakt von 1953 zufolge mit den militärischen Angelegenheiten betraut wurde, richtete Bundeskanzler Raab am 15.7.1955 das Amt für Landesverteidigung als Sektion VI des Bundeskanzleramtes ein. Zum Chef wurde der bisherige Leiter der Pensionsabteilung A, Hofrat Liebitzky, ernannt. Am 21.7.1955 wurden die Gendarmerieschulen dem Amt für Landesverteidigung unterstellt, wodurch sie aus dem Bereich des Innenministeriums ausschieden, und am 27.7. erfolgte die Umbenennung in "Provisorische Grenzschutz-Abteilungen" - dieser Tag kann somit als "Geburtstag" des Österreichischen Bundesheeres bezeichnet werden.

Wenn sich das Bundesheer auch von der B-Gendarmerie quasi "emanzipierte", wurde dennoch eine sichtbare Erinnerung bis in unsere Tage gepflegt, und zwar in Form eines Abzeichens am rechten Oberärmel des Dienst- und Ausgangsanzuges, das mit dem Übertritt des letzten B-Gendarmen in den Ruhestand von den Uniformen endgültig verschwunden ist. Vermutlich weniger im Gedächtnis blieb die Tatsache, dass (West)österreich während der Besatzungszeit über die B-Gendarmerie und das "Aufgebot", wenn schon nicht offizielles, so doch ein "stilles" oder assoziiertes NATO-Mitglied war, dessen "Mitgliedschaft" mit der Unterzeichnung des Staatsvertrages am 15.5.1955 endete.

Mag. Dr. Walter Blasi

Geb. 1954; Oberrat; seit 1974 im Bundesministerium für Landesverteidigung beschäftigt; 1991-1995 Studium der Geschichte mit Fächerkombination an der Universität Wien; 1996-2000 Doktoratsstudium, Dissertation über General der Artillerie Ing. Dr. Emil Liebitzky; 1998-2002 Verwendung im Militärwissenschaftlichen Büro; seit Februar 2002 an der Landesverteidigungsakademie/Institut für Strategie und Sicherheitspolitik/Fachbereich Zeitgeschichte.

Dr. Wolfgang Etschmann

Geb. 1953; Hofrat; Studium der Zeitgeschichte und Germanistik an der Universität Wien, 1979 Promotion zum Dr. phil.; 1980 Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien; 1981-1982 Offizier auf Zeit (Kompaniekommandant 1. Jägerkompanie[UN]/Landwehrstammregiment 21); 1982-1993 Referent im militärwissenschaftlichen Institut/Heeresgeschichtliches Museum (HGM); seit 1994 Leiter der militärgeschichtlichen Forschungsabteilung/HGM.



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