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Hauptmann M.: "Die Vielfalt führt zum Erfolg"

15. Juli 2020 - 

Hauptmann Uwe M. ist Kompaniekommandant im Jägerbataillon Steiermark "Erzherzog Johann". In seinem Job als Key Account Manager bei einem koreanischen Elektronikkonzern ist er für ein Millionenbudget verantwortlich. Covid-19 übertrug dem 38-jährigen Steirer die Verantwortung für die wertvollste Ressource, die das Bundesheer hat: Menschen. Seit 4. Mai führt er "seine" 1. Kompanie im Einsatz an der steirischen Grenze. 

Das Interview

Herr Hauptmann, was bedeutet der Begriff "Miliz" für Sie?

Miliz bedeutet für mich eine zweite, aber nicht parallele Welt. Eine Welt, in der ich meine Vorstellung von Solidarität gegenüber der Republik und der Bevölkerung leben kann und möchte. Ich sehe das ähnlich wie das Engagement anderer Mitbürger bei diversen zivilen Organisationen, wie etwa der Freiwilligen Feuerwehr, die ebenfalls dem Gemeinwohl und damit auch der Republik dienen. Bei mir ist es halt die militärische Komponente, für die ich mich entschieden habe.

Was gefällt Ihnen besonders an der Miliz?

Es ist die Vielfalt an Personen aus verschieden Gesellschaftsschichten, die ihre Fähigkeiten und Kenntnisse, die aus ganz unterschiedlichen Bereichen und Ausbildungen stammen, zusammen in den Dienst beim Heer einfließen lassen, um auftragsbezogen zum Erfolg zu kommen. Gemeinsam ist das Bestreben von uns "Milizlern", das System jeden Tag ein Stück weit zu verbessern, zum Wohle aller. Und es muss immer darum gehen, etwas zu verbessern und zu optimieren.

Was waren Ihre prägendsten Erfahrungen?

Natürlich auch der Covid-19-Einsatz mit all seinen Facetten. Von der Aufbietung, der großartigen Motivation, der Planung und Umsetzung, der Kameradschaft und dem Schulterschluss aller, um gemeinsam den Einsatz positiv zu absolvieren. Und vor dem Einsatz war es mein Jahr als Einjährig-Freiwilliger.

Wie war Ihre Ausbildung als Einjährig-Freiwilliger?

Es war sicher die härteste Ausbildung, die ich je gemacht habe. Es hat von mir das höchste Maß an Selbstdisziplin, Überwindung und Durchhaltevermögen abverlangt – von allen von uns. Im selben Ausmaß wuchs eine Kameradschaft, eine Loyalität und auch ein Selbstbewusstsein, wie sie nur in solch schwierigen Situationen entstehen kann. Es war für uns alle dieses Streben, das Beste zu geben.

Was können Sie aus der Miliz für Ihr ziviles Leben mitnehmen?

Meinen Ordnungssinn (lacht). Vor allem Durchhaltevermögen, fokussiert sein und ein auftragsorientiertes Denken und Handeln. Das kann man in jedem Beruf brauchen. Und nicht zuletzt die Stressresistenz. Umgekehrt ist es die soziale Komponente in einer zivilen Führungsposition, auch das logische Verknüpfen von tabellarischen Vorgaben und Formen bis hin zur Umsetzung. Auch lernt man in zivilen Berufen das schnelle Umlegen, das Nützen von kleinen Chancen, die sich bieten.

Welche Herausforderungen sehen Sie derzeit für die Miliz?

Für die Miliz ist es derzeit sicher eine der zentralen Herausforderungen, der Wirtschaft den Mehrwert näherzubringen. Das ist absolut notwendig. Wir müssen Akzeptanz schaffen und jedem Wirtschaftstreibenden klarmachen, dass ein stabiler Wirtschaftsstandort nur in einer stabilen Umgebung vorhanden sein kann. Und gemeinsam mit anderen Organisationen, wie der Exekutive, tragen wir dafür tagtäglich Sorge. Die Wirtschaft muss den Nutzen der Mitarbeiter, die auch Milizsoldaten sind, wieder verstehen und schätzen lernen. Das Heer muss auch aus seiner Demutshaltung aufgeweckt werden. Das bedeutet auch, Dinge anzusprechen, die nicht gut für das Heer und somit für die Bevölkerung sind. Und das kann und muss der österreichischen Bevölkerung auch klar kommuniziert werden.

Was war Ihre prägendste Erfahrung hier im Einsatz?

Der Schulterschluss zwischen Berufs- und Milizsoldaten, den es so noch nie gegeben hat. Die Berufssoldaten sind uns Miliz gegenüber offen, freundlich und wirklich positiv eingestellt. Das merkt man in der Ausbildung, im Einsatz selbst und auch in den Fachaufsichten durch etwa die Militärpolizei oder Fachfunktionen. Es ist ein neues Miteinander. Klar, dass wir Milizsoldaten nicht den gleichen Ausbildungs- und Wissensstand haben können wie ein Berufssoldat, deswegen sind das Gemeinsame und das menschliche Verständnis und Miteinander so wichtig. Gemeinsam bilden wir alle das Österreichische Bundesheer und dienen dem Volk und der Republik.

Stolz auf seine Kompanie: Hauptmann Uwe M. (Bild öffnet sich in einem neuen Fenster)

Stolz auf seine Kompanie: Hauptmann Uwe M.

Beförderung im Einsatz: Ein besonderer Moment für M.s Stellvertreter. (Bild öffnet sich in einem neuen Fenster)

Beförderung im Einsatz: Ein besonderer Moment für M.s Stellvertreter.

M. mit Militärkommandant Zöllner und dem Chef der WK Steiermark Dernoscheg. (Bild öffnet sich in einem neuen Fenster)

M. mit Militärkommandant Zöllner und dem Chef der WK Steiermark Dernoscheg.

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