Ein Leben lang Miliz - Teil 1
Offiziersstellvertreter Christian Sch. und Stabswachtmeister Wolfgang K. haben zusammen ganze 70 Jahre Milizerfahrung gesammelt. War früher alles besser? "Nein", sagen die beiden und erzählen aus ihrem reichen Erfahrungsschatz. Derzeit sind beide mit dem Jägerbataillon Wien 1 "Hoch- und Deutschmeister" im Assistenzeinsatz.
Militärisches "Schwarz/Weiß"
Sie kamen zum Bundesheer, als die militärische Welt noch "schwarz/weiß" war: Ost gegen West, Böse gegen Gut, Diktatur gegen Demokratie. Österreich war mittendrin, die Gegner waren klar, und die Miliz nie so stark wie Ende der 1980er Jahre. Gemeinsam wären sie schon lange in Pension - zumindest, wenn es nach ihrer Milizerfahrung ginge. In ihrer Milizkarriere haben sie schon viel gesehen und viel erlebt; manches schon zum zweiten Mal, wie es bei Trends oft so ist.
Man sieht sich immer zweimal
Dieser Satz gilt nicht nur für Menschen, sondern auch für Trends. Dazu gehört auch das Prinzip der Landwehrstammregimenter, in denen beide ihre ersten Schritte in der Miliz taten. Die Berufssoldaten dieser Regimenter hatten eine Kernaufgabe: zukünftige Milizsoldaten auszubilden, mit denen sie im Ernstfall gemeinsam in den Einsatz gehen. Dadurch entwickelte sich automatisch eine persönliche Beziehung zwischen den Soldaten. Für Offiziersstellvertreter Sch. war das die Miliz in Reinkultur. "Dieses System war sehr positiv. Die präsenten Kameraden bildeten uns aus und hatten Funktionen bei uns, es war ein sehr gutes Zusammenspiel. Sie sahen sich als Dienstleister für 'ihre' Milizsoldaten, es gab eine Art Servicegedanken.
Das ging etwas verloren", erinnert er sich zurück. Sein Eindruck: "Damals waren wir eine echte Milizarmee, heute wird die Miliz oft als ein Anhängsel zu den präsenten Kräften gesehen." Das soll sich mit dem aktuellen Regierungsprogramm wieder ändern. Darin ist nämlich ein System vorgesehen, das dieses bewährte Prinzip wieder aufgreift.
Ganz neue Erfahrung
Christian Sch., Baujahr 1960, arbeitet seit mehr als 30 Jahren beim Stadtrechnungshof Wien, wo er es bis zum Abteilungsleiter gebracht hat. Anfang der Achtziger Jahre leistete er acht Monate Grundwehrdienst. Das war ihm aber nicht genug, so entschied er sich 1987 für die Nachhollaufbahn zum Unteroffizier. Das war der Startschuss für seine Milizkarriere, die ihn 2007 in seine heutige Funktion brachte: als "Spieß" der 2. Kompanie des Jägerbataillons Wien 1 "Hoch- und Deutschmeister".
Wenn er den aktuellen Covid-19 Einsatz mit seinem Kosovo-Einsatz 1999 vergleicht, erkennt er viele Unterschiede: "Bei meinem Einsatz in Albanien war innerhalb von drei Wochen ein Hilfskontingent mit ca. 400 Soldaten und Mitgliedern aus Hilfsorganisationen zusammengestellt. Vor uns war nur das Jagdkommando. Sie erkundeten auf dem ehemaligen Militärflugplatz Shkodra das Lager, bauten für uns das Camp auf und sicherten es. Danach errichteten wir ein Flüchtlingslager samt eigenem Feldspital", blickt er auf den Einsatz zurück. Heute schlafen die Soldaten in der Kaserne und versehen ihren Dienst inmitten ihrer Landsleute.
Es hat sich viel verbessert
Ähnlich ist es bei Stabswachtmeister Wolfgang K. Er genoss die "klassische" Ausbildung in der Zeit der Raumverteidigung: sechs Monate Jagdkampf im Landwehrstammregiment 21 "Hoch- und Deutschmeister". Bei vielen Änderungen blieb eines für ihn gleich: Deutschmeister ist er immer noch. Auch "Otti", wie er von seinen Kameraden genannt wird, erinnert sich gerne zurück: "Anfang der 90er war nicht nur alle zwei Jahre eine große Übung, sondern das Regiment organisierte auch Übungen auf freiwilliger Basis. Die dauerten jeweils eine Woche und hatten Schwerpunkte wie Ortskampf oder Aufklärung. Die waren immer interessant und lehrreich, daran haben viele Soldaten gerne teilgenommen!" Nach langen Jahren als Gruppenkommandant wollte er sich weiterentwickeln und absolvierte den Lehrgang zum Stabsunteroffizier. Zum zweiten Mal, wie er erzählt. Den ersten machte er vor 20 Jahren, musste damals aber berufsbedingt die Abschlusswoche sausen lassen. Trotzdem will er diese Erfahrung nicht missen: "Die Ausbildung hat sich im Vergleich zu damals sehr verändert. Es hat sich viel verbessert in der Didaktik, in der Methodik. Das war ein sehr positives Erlebnis!", erzählt er.
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