Ein Leben lang Miliz - Teil 2
Mit der Bewachung der Botschaften in Wien waren die "Deutschmeister" die "Exoten" im Covid-19-Einsatz. Als die anderen zwölf Einsatzkompanien an die Grenzen fuhren, hatten sie noch zwei Wochen lang eine zusätzliche Ausbildung durch die Polizei. Obwohl sie die neu gewonnenen Fähigkeiten nicht einsetzen mussten, gingen fast 50 Polizeieinsätze auf ihr Konto: Sie sahen Schlägereien, betrunkene Randalierer oder Graffiti-Sprayer.
Flexibler Einsatz
Den Einsatz selbst bewerten beide gut. "Der Einsatz hat einen Zweck. Es ist keine Herausforderung, irgendwo drei Stunden lang zu stehen. Aber es ist eine Herausforderung, drei Stunden lang aufmerksam und wachsam zu sein! Das müssen wir sein, sonst machen wir unseren Job nicht richtig!", resümiert K. Manchmal war der Einsatz fordernd. Vor allem in der Anfangsphase war die Kompanie bis auf den letzten Mann verplant, die Kommandanten mussten flexibel planen. "Ich stand genauso bei den Botschaften, wenn Not am Mann war", erzählt K. "So auch an meinem Hochzeitstag. Kurz vor meinem Abgang in die Freizeit läutete das Telefon: Ein Mann war ausgefallen. Ich rief daheim an, sagte 'Schatz, wir müssen ein anderes Mal feiern!', und stand bis fünf Uhr früh vor der türkischen Botschaft."
Engagement gefragt
Trotz der völlig anderen Rahmenbedingungen seines Albanien-Einsatzes war die Zusammenarbeit mit den Hilfsorganisationen wie dem Roten Kreuz für ihn schon ein Blick in die Zukunft: "Das Bundesheer wird Einsätze nicht mehr alleine absolvieren, sondern gemeinsam mit anderen Organisationen - wie jetzt mit der Polizei", sagt Sch. Der Assistenzeinsatz brachte auch für ihn Neuerungen. Eine neue Struktur der Kompanie, eine Personalverwaltung am PC statt der bekannten "Zettelwirtschaft", sogar die Versorgung war anders. Als "Mutter der Kompanie" - wie der "Spieß" ein Spitzname für den Dienstführenden Unteroffizier - bringt er sonst Essen und Getränke zu den Soldaten.
"In diesem Einsatz versorgen sich die Soldaten selbst, wo sie gerade sind", erzählt er. Nach dem Einsatz wird er in Milizpension gehen, einen Nachfolger lernt er schon an. Diesen zu finden war nicht leicht: "Wir könnten hier nicht sitzen, wenn wir im heutigen Ausbildungssystem aufgewachsen wären", sagt er und deutet auf Stabswachtmeister K. "Wir haben unsere Fachunteroffiziere immer aus der Truppe bekommen. Sie konnten sich weiterbilden und in die Funktionen hineinwachsen. Das ist heute anders", so Sch. Sein Credo: "In der Miliz ist Engagement gefragt. Man muss überzeugt sein, dass es das richtige System ist. Und es liegt an uns allen, diese Überzeugung zu vermitteln!"
Mehr Ausbildung, weniger Verwendung
Für Stabswachtmeister K. war der Einsatz - verglichen mit den Übungen der letzten Jahre - Neuland. "Bisher haben wir hauptsächlich den Checkpoint-Betrieb geübt. Jetzt stehen wir alleine vor den Botschaften - das ist irgendwie unsoldatisch, weil ein Soldat ja nie alleine ist. Der Gruppenkommandant, der sich sonst um seine Leute kümmert, ist in diesem Einsatz ein Wachsoldat wie jeder andere. Das sind Aspekte, die wir bisher nicht geübt haben", erzählt der 56-jährige Compliance Manager. Für die Zukunft wünscht er sich, dass mehr Zeit in die Ausbildung und weniger in die Verwendung investiert wird. Und dass man die Soldaten zwei Monate bei Übungen für den Wissenserhalt und die Weiterentwicklung hat.
"Wenn die Rekruten nur ein paar Wochen Grundausbildung haben und danach im Assistenzeinsatz sind, lernen sie überschaubar viel. Dann haben sie ein paar Diensträder gemacht, nächtelang durch ein Nachtsichtgerät geschaut, das war's", sagt der gelernte Banker. Natürlich hat er für junge Milizsoldaten eine Erfahrung aus seiner Milizkarriere parat: "Hinterfrage die Dinge solange, bis du sie verstehst. Sonst kannst du deinen Auftrag nicht erfüllen!"