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Miliz & Wirtschaft: Interview mit Bernd und Alexander Stampfer

15. Oktober 2020 - 

In der Interviewreihe "Miliz & Wirtschaft" sprach Oberst Mario Strigl, Verbindungsoffizier für Wirtschaft des Milizbeauftragten, mit Universitätsdozent Bernd Stampfer und Alexander Stampfer. Beide waren beziehungsweise sind mit dem Bundesheer vertraut, beruflich sind sie Geschäftsführer eines Consulting-Unternehmens. Die STA-Consulting mit Sitz in Innsbruck ist im Bereich Wirtschafts- und Finanzdienstleistungen tätig. Erklärtes Ziel ist, ihren Klienten bei der Realisierung ihrer Vorstellungen und Wünsche behilflich zu sein.

Das Interview

Mario Strigl: Sehr geehrter Herr Dr. Stampfer und Mag. Stampfer, lieber Bernd und Alex, die STA-consulting GmbH hat den beträchtlichen Anteil von 50 Prozent aktiven oder ehemaligen Milizsoldaten bei einer Frauenquote von 50 Prozent - das heißt, 100 Prozent der männlichen Mitarbeiter sind oder waren Milizsoldaten. Wie kommt das?

Bernd Stampfer: Ich war interessanterweise nie Milizoffizier, sondern immer Reservist, der aber sehr oft einberufen wurde. Dies mag daher rühren, dass es für meine Funktion zumindest früher keine Milizarbeitsplätze gab – ich wurde beim 1. Österreichischen Reservistentreffen des Bundesheeres in Wien für den Nachrichtendienst geworben und war zuletzt Oberleutnant.

Alexander Stampfer: Ich dagegen habe eine klassische Karriere als Einjährig-Freiwilligen-Jäger hinter mir und bin aktuell Kommandant der 1. Kompanie des Jägerbataillons Tirol.

Wie wart beziehungsweise seid ihr mit eurem Unternehmen von der aktuellen Corona-Pandemie betroffen?

B. Stampfer: Die Krisen in den Jahren 2000 sowie 2007-2009 waren geschäftlich gesehen für uns schlimmer, mittlerweile sind wir breit genug aufgestellt. Wir konnten daher normal weiterarbeiten, hatten aber in unseren Geschäftsräumlichkeiten zwei Monate ein Betretungsverbot für unsere Kunden.

A. Stampfer: Ein Problem war es aber natürlich, dass Partnerfirmen und viele berufliche Kontakte schwer erreichbar waren, vor allem am Banken- und Versicherungssektor, und behördliche Verhandlungen ausgesetzt waren, wodurch die Arbeitsabläufe stark verzögert wurden. Das klassische "Neugeschäft" fand gar nicht statt, es gab keine Akquise.

Wie organisiert ihr es im Unternehmen, wenn jemand einberufen wird?

B. Stampfer: Wir können uns leider gegenseitig so gut wie nicht vertreten, da wir unterschiedliche Bereiche betreuen. Ich bin für den öffentlich-rechtlichen Sektor zuständig, Alex für den betriebswirtschaftlichen.

A. Stampfer: Mir geht es daher wie vielen Kameraden in der Miliz: Wenn ich einberufen werde, ist mein Laptop, mein "mobiles Büro", immer an meiner Seite, ich hab die Firma sozusagen immer "am Mann". Auch in meiner Kompanie ist es daher so, dass manche Kameraden mal für eine Stunde "freigestellt" werden, um ihrer regulären Arbeit nachzugehen, zumindest die dringendsten Anrufe tätigen und Mails beantworten können.

Würdet ihr noch mehr Milizsoldaten einstellen?

A. Stampfer: Sehr gerne, Milizsoldaten sind ja für ihre Flexibilität und Managementqualitäten bekannt, das kann jedes Unternehmen brauchen.

Habt ihr schon vom Milizgütesiegel gehört?

A. Stampfer: Das war uns bis jetzt nicht bekannt, bitte sende uns dazu nähere Infos!

Sehr gerne. Wie seht ihr generell die Partnerschaft zwischen Miliz und Wirtschaft?

A. Stampfer: Vor allem bei manchen staatsnahen Betrieben würde ich es mir wünschen, dass sie im Ernstfall auch hinter unserem Milizsystem und seinen Soldaten stehen und diese bei einem Einsatz unterstützen, das heißt, sie ohne Probleme einrücken lassen. Hier orte ich oft eine gewisse Diskrepanz. In Friedenszeiten sieht man Partnerunternehmen oft und gerne auf Garnisonsbällen, im Übungsfall senden aber genau diese zahlreiche Befreiungsanträge. Das Bundesheer ist aber kein Marketinggag.

B. Stampfer: Die Schweiz ist, wie beim Milizsystem generell, hier einmal mehr ein gutes Beispiel. Ich kenne Großunternehmen, bei denen sich ein ganzes Bataillon aus den Mitarbeitern rekrutiert. Der Firmenchef ist der Bataillonskommandant. Für meinen Teil kann ich aber versichern, dass es beim Land Tirol, bei dem ich lange beschäftigt war, auch immer tadellos funktioniert hat.

Viele Unternehmen sehen bei einem ehrenamtlichen Engagement nur die Abwesenheit des Mitarbeiters. Welchen Mehrwert bringen eurer Meinung nach Milizsoldaten für Unternehmen?

A. Stampfer: Für mich ist einer der größten Mehrwerte, dass in der Miliz, bei einem Einsatz oder einer Übung, keiner auf die Uhr schaut. Beim Bundesheer lernt man, dass der Tag 24 Stunden hat, erst wenn alles erledigt ist, ist der Auftrag erfüllt und der Dienst zu Ende. Soldat zu sein, vor allem Milizsoldat, ist kein Job von 9.00 bis 17.00 Uhr. Milizsoldaten kommen mittlerweile zumeist aus der Privatwirtschaft, das merkt man an ihrer Flexibilität und Lösungsbereitschaft.

B. Stampfer: Nicht zu vergessen die Führungsqualitäten, die man beim Bundesheer erlernt. Wo kann man besser einen sicheren Auftritt vor Menschen üben und lernen, eine klare Sprache? Das waren Eigenschaften, die bei meinen Personalchefs immer hoch im Kurs waren. Das ging so weit, dass mir das Land Tirol als mein Arbeitgeber Kurse beim Bundesheer ans Herz gelegt hat.

Bernd und Alexander Stampfer, Unternehmer und Milizsoldaten. (Bild öffnet sich in einem neuen Fenster)

Bernd und Alexander Stampfer, Unternehmer und Milizsoldaten.

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