Miliz & Wirtschaft: Interview mit Alexander Safferthal
In der Interviewreihe "Miliz & Wirtschaft" sprach Oberst Mario Strigl, Verbindungsoffizier für Wirtschaft des Milizbeauftragten, mit Baumeister Alexander Safferthal. Safferthal ist gelernter Pionier, Hauptmann, war Kommandant einer Pionierkompanie und ist derzeit als Militärexperte für Hochbau eingesetzt. Privat führte er bis vor kurzem ein eigenes Bauunternehmen mit 65 Mitarbeitern und zwei Lehrlingen pro Jahr.
Das Interview
Mario Strigl: Sehr geehrter Herr Safferthal, lieber Alex, du sitzt heute in doppelter Funktion vor mir: Zum einen als selbstständiger Baumeister, zum anderen als Vizepräsident der Wiener Wirtschaftskammer. Lass uns doch bitte mit deiner Tätigkeit als Baumeister beginnen. Wie viele Mitarbeiter waren in deinem Unternehmen beschäftigt, und waren unter ihnen Milizsoldaten?
Alexander Safferthal: Ich hatte 65 Mitarbeiter, davon waren etwa 10 Prozent Milizsoldaten. Erinnerlich sind mir ein Unteroffizier sowie mehrere Chargendienstgrade.
Die Wirtschaftskammer Wien hat etwa 800 Mitarbeiter, davon sind über 50 Prozent Frauen. Befinden sich hier auch Milizsoldaten darunter?
Natürlich, wir haben im Moment fünf Milizsoldaten in der Kammer, auch in den höchsten Führungsebenen.
Du bist selbst Milizoffizier im Rang eines Hauptmanns des höheren militärtechnischen Dienstes - was bedeutet der Begriff "Miliz" für dich heutzutage?
Ich bin militärisch in einer Zeit groß geworden, als die Miliz in der Raumverteidigung noch eine tragende Rolle spielte, der Milizgedanke auch von den Berufssoldaten mitgetragen wurde und mit regelmäßigen Übungen ein hoher Ausbildungsgrad der Milizsoldaten gewährleistet war. Insbesondere in meiner Pioniertruppe, in der ich als Baumeister als Kompaniekommandant beordert war, wurden die technischen Leistungen durch Brückenbauten, Sprengungen, Wasserdienst etc. geübt und in der Truppe manifestiert, was eine große – auch in der Freizeit weiterbetriebene – Kameradschaft hervorgerufen hat. Diese Verbundenheit zwischen Miliz und Berufssoldaten ist heute so nicht mehr gegeben.
Heuer gab es erstmals eine teilweise Aufbietung der Miliz. Was hat das für die Wirtschaftskammer Wien bedeutet?
Die Wirtschaftskammer Wien hatte einige Anfragen über Befreiungsmöglichkeiten von Unternehmern. Durch die hohe Bereitschaft zu Befreiungen seitens des Bundesheeres wurden keine gröberen Probleme verursacht.
Wie wart beziehungsweise seid ihr selbst von der aktuellen Corona-Pandemie betroffen?
Das Gebäude der Wirtschaftskammer Wien selbst war geschlossen. Alle unsere Mitarbeiter, also 100 Prozent der Belegschaft, waren in Homeoffice. Durch die erst vor kurzem durchgeführte Zusammenführung der diversen Abteilungen in ein Gebäude am Praterstern verliefen die Schließung und der Übergang ins Homeoffice durch unsere neue digitale Ausstattung fast problemlos.
Wie hast du es als Baumeister organisiert, wenn jemand deiner Mitarbeiter einberufen wurde?
Zunächst muss ich festhalten, dass ich alle meine Lehrlinge immer motiviert habe, ihren Wehrdienst und keinen Ersatzdienst abzuleisten. Wenn nun die Einberufung zum Grundwehrdienst erfolgte, habe ich mich bemüht, dass dieser zur Pioniertruppe oder auch Bautruppe einberufen wurde, da dies für mich natürlich einen Mehrwert erzeugte – und andererseits das Bundesheer ausgebildete Bauhandwerker zur Verfügung gestellt bekam. Auch bei weiteren Einberufungen zu Milizübungen habe ich meine Mitarbeiter natürlich unterstützt und sie mit Sonderurlaub freigestellt. Ich motivierte sie sogar zu weiteren Übungen, da meine Mitarbeiter dadurch auch für mich interessante Qualifikationen erlangen konnten.
Wie organisiert ihr es in der Wirtschaftskammer Wien, wenn jemand einberufen wird?
Generell wird der betroffene Milizsoldat bei uns für Übungen freigestellt. Wir legen bei einem Engagement für unsere Sicherheit und Heimat natürlich keine Steine in den Weg.
Hat die Wirtschaftskammer Wien das Milizgütesiegel?
Ja, darauf sind wir natürlich sehr stolz!
Wunderbar, das bringt mich auch gleich zu meiner nächsten Frage: Viele Unternehmen oder Organisationen sehen bei einem ehrenamtlichen Engagement nur die Abwesenheit des Mitarbeiters. Welchen Mehrwert bringen deiner Meinung nach Milizsoldaten für Unternehmen?
Milizsoldaten erfahren durch ihre Schulungen - etwa in Personalführung oder bei den Pionieren bei allen technischen Einsatzmöglichkeiten - Ausbildungen, die ihren zivilen Arbeitgebern, den Unternehmen, nichts kosten, den Mitarbeitern aber Fähigkeiten verleihen, die sie in ihrem Berufsumfeld direkt umsetzen können. Zum Beispiel hatte ich einen Mitarbeiter, der bei mir als Maurerlehrling begonnen hat, in die Kaderausbildung aufgenommen wurde und in weiterer Folge durch mich für einen Auslandseinsatz in Kosovo freigestellt wurde. Dort erlangte er den Dienstgrad eines Wachtmeisters und wurde in der Folge bei mir im Bauunternehmen zum Polier ausgebildet. Durch seine militärische Ausbildung und Erfahrung war seine Tätigkeit als Leiter der Bauarbeiter hervorragend. Er verstand es, bautechnische Aufträge nach militärischem Schema detailliert und genau abzuarbeiten. Auch in der Wiener Wirtschaftskammer haben wir das verstanden. So sind aktuell zwei der Vizepräsidenten sowie der Kammerdirektor Miliz- bzw. Reserveoffiziere.
Das aktuelle Regierungsprogramm sieht eine Stärkung der Miliz vor. Wie kann man Arbeitgeber deiner Meinung nach dafür begeistern?
Indem man den Arbeitgebern bewusst macht, dass das Österreichische Bundesheer, als über Jahrzehnte bewährtes Schulungs- und Weiterbildungsinstitut, eine für das Unternehmen kostengünstige Höherqualifizierung ermöglicht. Und dies in so gut wie allen wirtschaftlich relevanten Bereichen.
Vielen Dank Alexander, deine Worte in der Unternehmer Ohr!