Soldaten für eine "neue" Miliz professionell gewinnen
Wem würden Sie mehr vertrauen? Jemandem, der sagt "Darüber habe ich gelesen…", oder jemandem, der sagt "Das habe ich gemacht!". Wenn Sie die zweite Antwort gewählt haben, sind Sie bei der Mehrheit dabei. Und genau hier setzt das Projekt "Miliz wirbt Miliz" an. Denn wer kann authentischer über die Miliz reden, als Milizsoldaten selbst? In einem Tagesseminar vermittelten die Vortragenden 20 Milizsoldaten das Rüstzeug dafür, andere für ein Engagement in der Miliz zu begeistern.
Das System unterstützen
Die Veranstaltung in der Salzburger Schwarzenberg-Kaserne war die zweite ihrer Art. Nach dem Auftakt in der Maria-Theresien-Kaserne in Wien war auch diese Veranstaltung gut besucht. "Wir wollen das System unterstützen. Mob-Unteroffiziere müssen teilweise mehr als 1.000 Milizsoldaten verwalten, da bleibt keine Zeit für individuelle Beratung. Wir wollen aber niemandem den Job streitig machen und niemanden aus der Verantwortung entlassen", erzählt Hauptmann Hannes P. während der Einleitung. Er muss es wissen, denn er hat das Projekt "Miliz wirbt Miliz" mitentwickelt. Die Veranstaltung selbst war fit für Corona: Die Teilnehmer waren persönlich oder über das Internet dabei. Die persönliche Anwesenheit war das letzte Mal vor dem Winter möglich: Die folgenden Veranstaltungen werden als Webinar stattfinden.
Wir brauchen die Miliz
Dass in der Miliz nicht alles eitel Wonne ist, ist kein Geheimnis. Doch P. brachte es auf den Punkt: "Jeder hat die Möglichkeit, die Situation positiv zu beeinflussen." Das zeigte sich auch im Covid-19-Einsatz im Frühjahr. "Wir sind eine neue Miliz. Das hat man beim Einsatz gemerkt, wir waren alles Freiwillige. Die Motivation war ein Wahnsinn", gibt er seine Erfahrung aus dem Einsatz wieder.
Brigadier Stefan Thaller hielt seinen Vortrag per Videozuschaltung. Er ist Leiter der Abteilung Einsatzvorbereitung, die Miliz hat für ihn Priorität. Schließlich ist sie nicht nur in der Krise notwendig: In den In- und Auslandseinsätzen des Bundesheeres stellen Milizsoldaten derzeit knapp 30 Prozent des Personals. "Wir brauchen die Miliz", sagte er klipp und klar. "Die Miliz" - das sind für Thaller über 100.000 Österreicher, die in der Miliz beordert sind. Davon haben rund 35.000 eine fixe Aufgabe, sprich Beorderung, der Rest ist in der sogenannten Personalreserve.
"Wir wollen die Menschen ins Bundesheer bringen, sie rasch und erfolgreich ausbilden und vor allem im Bundesheer halten", so Thaller. Das ist auch der Politik bewusst. Am Nationalfeiertag beschloss der Ministerrat daher unter dem Titel "Attraktivierung der Miliz" ein Programm, das auch finanzielle Anreize beinhaltet. So können Grundwehrdiener, die sich für eine Laufbahn in der Miliz entscheiden, ihr Einkommen von rund 2.000 Euro während des Grundwehrdienstes mithilfe von Prämien mehr als verdoppeln – steuerfrei.
Wie die Jugend tickt
Was im Marketing schon lange oberstes Gebot ist, wird auch in der Personalwerbung unverzichtbar: Kenne deine Zielgruppe! Matthias Rohrer vom Institut für Jugendkulturforschung sprach in seinem Vortrag über den Wertewandel der unterschiedlichen Generationen, die Bedürfnisse der heutigen Jugend und wie Corona sich auf die Gesellschaft auswirken wird.
"In fünf bis zehn Jahren werden wir wahrscheinlich von der 'Generation Covid-19' sprechen. Covid hat wesentliche Einflüsse auf die Einstellung und Wertewelt der Jugend. Dabei wird es zwei gegenteilige Strömungen geben: Einerseits ein noch größeres Bedürfnis nach Sicherheit im Job, andererseits nach 'noch mehr erleben' im Freizeitbereich, weil sie es jetzt nicht dürfen." Auch entwickle sich eine Tendenz in Richtung echte Kontakte haben, echte Dinge erleben – wobei das digitale Leben trotzdem im Alltag integriert sei, so Rohrer.
Das Resümee: All das kann die Miliz bieten. Die Aufgabe ist, die Zielgruppen richtig zu bedienen. "Ich muss mir überlegen: Was will ich vermitteln, wohin will ich die Person entwickeln. Doch dazu muss ich die Person erst haben", sagte Rohrer. Das wird zukünftig die Aufgabe der Seminarteilnehmer sein.