Miliz & Wirtschaft: Interview mit Lukas Leitner
In der Interviewreihe "Miliz & Wirtschaft" sprach Oberst Mario Strigl, Verbindungsoffizier für Wirtschaft des Milizbeauftragten, mit Lukas Leitner. Seit 15 Jahren lenkt Leitner als Gesellschafter die Geschicke der Cayenne Marketingagentur. Als Major und Verbindungsoffizier im Militärkommando Wien ist er gut mit der Miliz vertraut. Internationale Berufserfahrung und seine militärische Ausbildung halfen ihm, die Agentur erfolgreich zu machen: Im österreichischen Branchenranking rangiert sie auf Platz 12 von 10.000 eingetragenen Werbeagenturen.
Das Interview
Mario Strigl: Sehr geehrter Herr Leitner, lieber Lukas, wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat die Cayenne Marketingagentur GmbH und wie viele Milizsoldaten sind darunter?
Lukas Leitner: Wir haben derzeit 14 fix angestellte Mitarbeiterinnen und vier Mitarbeiter, davon im Moment aber leider nur ein Milizsoldat, und das bin ich. Unsere männlichen Mitarbeiter haben aber zumindest ihren Grundwehrdienst abgeleistet.
Wie verlief deine Laufbahn als Milizoffizier und was sind aktuell deine Aufgaben?
Begonnen hab ich nach meinem Einjährig-Frewilligen-Jahr als Kommandant eines Panzerabwehrkanonen-Zuges und später als Kommandant der schweren Kompanie des mobilen Jägerbataillons 11. Danach war ich in der 3. Panzergrenadierbrigade als Leiter für Informationsoperationen beordert, aktuell diene ich mit dem Dienstgrad Major als Verbindungsoffizier Massenmedien im Militärkommando Wien.
Was bedeutet der Begriff "Miliz" für dich?
Miliz ist für mich im engeren Sinne die Fortsetzung der Wehrpflicht als Bürger in Uniform, durchaus auch nach dem Vorbild des antiken Modells eines "Zoon politikon". Im weiteren Sinne sehe ich es als ehrenvolle Möglichkeit, der Republik etwas zurückzugeben, was sie einem selbst gibt, etwa durch unsere Staatsbürgerschaft, die Gratisschule, eine mögliche Ausbildung, etc. Wir bekommen ja als Bürger eine Menge vom Staat und können uns so bei ihm bedanken.
Heuer gab es erstmals eine teilweise Aufbietung der Miliz. Was hat das für deine Agentur bedeutet?
Ich persönlich habe es mit großem Wohlwollen gesehen, dass unsere neue Verteidigungsministerin erstmals eine Aufbietung umgesetzt hat. Ich habe es aber bedauert, dass nur Kompanien einberufen wurden, da sicher auch viele Milizexperten oder höhere Chargen mithelfen hätten können.
Wie wart bzw. seid ihr selbst von der aktuellen Corona-Pandemie betroffen?
Wir waren immer schon als Unternehmen im Digitalbereich sehr stark und haben unter unseren Mitarbeitern auch teilzeitbeschäftigte Mitarbeiter und alleinerziehende Mütter, daher sind wir eigentlich schon seit Jahren voll ausgestattet für Homeoffice-Tätigkeiten. Insofern hat uns der März 2020 in keinster Weise eingeschränkt, da wir alle Online-Konferenztools seit Jahren nutzen und vor allem alle unsere Mitarbeiter Zugriff auf unsere Serverstrukturen und unsere Telefonanlage haben. Umsatzmäßig haben sehr viele Kunden von uns die Zeit genutzt, antizyklisch zu investieren, um ganz bewusst früher als antiquiert geltende Markenwerte wie Beständigkeit, Vertrauen und Handschlagqualität in Zeiten der Krise inhaltlich neu aufzuladen.
Wie organisiert ihr es, wenn jemand einberufen wird?
Bei uns ist es so, dass ich oft sehr kurzfristig ein oder zwei Tage diene, da ich im Verteidigungsministerium und beim Militärkommando Wien bei Marketingprojekten aushelfe und dort meine Expertise einbringen kann. Bei Milizübungs-Tagen reiche ich einen Antrag auf Verdienstentgang ein. Als Selbstständiger darf ich zum Modell des Verdienstentgangs anregen, dass dieser nicht aufgrund des Fixgehalts im Angestelltenstatus bemessen wird, sondern aufgrund des realen Einkommenssteuerbescheids. Viele Selbstständige entnehmen ja ein geringeres Fixgehalt, da Gewinnentnahmen am Jahresabschluss steuerlich günstiger sind. Diese werden jedoch nicht beim Antrag auf Verdienstentgang mitberechnet. Es wäre eine lohnende Aufgabe für die dafür zuständigen Stellen im Ministerium, die Richtlinien dahingehend zu ändern.
Die Cayenne Marketingagentur GmbH ist stolzer Träger des Milizgütesiegels des Österreichischen Bundesheeres? Wie kam es zu diesem Engagement?
Wir sind aktiv angesprochen worden, uns dafür zu bewerben, und haben alle Kriterien erfüllt. Tatsächlich ist es so, dass die Miliztätigkeit in unserem Unternehmen gefördert wird, und wir auch für die nichtmilitärische, überwiegend weibliche Führungsebene Managementtrainings durchgeführt haben, die teilweise sogar von Militärs gecoacht wurden und sich an den Managementtechniken der militärischen Planung orientiert haben. Bei Cayenne wird militärisches Wissen geschätzt. Das ist vielleicht auch der Grund, warum wir beruflich gelegentlich Projekte für das Verteidigungsministerium umsetzen dürfen.
Wie siehst du die Partnerschaft zwischen Miliz und Wirtschaft?
Mit dem Milizbeauftragten, Generalmajor Erwin Hameseder, hat sich in den letzten Jahren sehr vieles zum Besseren verändert. Besonders positiv finde ich dabei die wechselseitige Anrechnung von Zertifizierungen oder Ausbildungen. Auch das aktuelle Milizpaket, vor allem mit dem Anreizsystem einer höheren Bezahlung schon für die Zeit des Grundwehrdienstes, ist ein echter Meilenstein, weil dies deutlich den Willen des Verteidigungsressorts gegenüber allen Jugendlichen in Österreich dokumentiert, sich aktiv in die Miliz einzubringen.
Viele Unternehmen oder Organisationen sehen bei einem ehrenamtlichen Engagement nur die Abwesenheit des Mitarbeiters. Welchen Mehrwert bringen deiner Meinung nach Milizsoldaten für Unternehmen?
Das ist einfach zusammengefasst: Ihre profunde Ausbildung in der strategischen Planung und vor allem auch in der raschen Umsetzung besprochener Projekte. Das Wichtigste ist in einem zivilen Unternehmen, bei phasenweiser nicht möglicher Kommunikation mit einem Vorgesetzten immer im Sinne des Auftrages selbstständig und eigenverantwortlich weiterzuarbeiten. Das ist eine soldatische Tugend mit absolutem Mehrwert für die Wirtschaft.
Das aktuelle Regierungsprogramm sieht eine Stärkung der Miliz vor. Wie kann man Arbeitgeber deiner Meinung nach dafür begeistern?
Für uns im Unternehmen ist es ein inhaltliches Interesse. Das wird auch bei Unternehmen kleinerer oder mittlerer Größe ähnlich sein. Den richtigen Durchbruch, vor allem bei großen Organisationen, wird man jedoch erst nach der Implementierung monetärer Anreizsysteme schaffen. Damit meine ich steuerliche Erleichterungen bei den Lohnabgaben auf Seiten der Arbeitgeber oder auch Beiträge zu Pensionsabgaben für Milizsoldaten, die dann einerseits individuell höhere Pensionszahlungen erwarten dürfen, andererseits der Arbeitgeber bei den Abgabenzahlungen in den aktiven Milizjahren des Mitarbeiters entlastet wird. Ein gutes Modell ist dafür etwa das amerikanische System mit einem Anspruch auf Ausbildung bzw. einer bevorzugten Übernahme in den Bundesdienst nach Absolvierung entsprechender militärischer Laufbahnen.
Ein guter Vorschlag, ein ähnliches System gab es auch schon in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie: Damals wurden längerdienende Unteroffiziere bevorzugt in den Beamtenstand geholt und erreichten dort oft noch "Offizierschargen", was für viele einen gesellschaftlichen Aufstieg bedeutete. Gibt es aktuell konkret Kooperationen deiner Agentur mit dem Österreichischen Bundesheer bzw. gemeinsame Projekte?
Die Agentur Cayenne betreut Projekte des Bundesheeres seit mehr als zwei Jahrzehnten. Besonders stolz machen uns auch einige Kreativpreise, die wir mit Projekten des Heeres gemeinsam gewinnen durften.