"Im Ernstfall tragen wir alle grün"
Marcus Schober ist 40 Jahre alt, gebürtiger Wiener und hat Publizistik und Kommunikationswissenschaften studiert. Und: Marcus Schober ist Landtagsabgeordneter und Gemeinderat in Wien – und Milizsoldat mit Leib und Seele! Oberleutnant Anton Kühnelt-Leddihn sprach mit ihm über Militär, Politik und wie beide voneinander lernen können.
Das Interview
Anton Kühnelt-Leddihn: Ist Politik und Miliz ein Widerspruch?
Marcus Schober: Das ist kein Widerspruch, ganz im Gegenteil. Die Aufgaben als Soldat sind in der Verfassung geregelt, die Aufgaben als Landtagsabgeordneter ebenfalls. Und für beide gilt der Einsatz für die Bevölkerung als oberste Aufgabe. Andere engagieren sich bei der Feuerwehr, Rettung und anderen wichtigen Organisationen, ich beim Österreichischen Bundesheer.
Was bewegt einen Politiker dazu, auch Milizsoldat zu sein?
Ich war sogar Milizsoldat, bevor ich Politiker wurde. Mir ist sehr wichtig, dass ich trotz des vollen Terminkalenders als Politiker meine Milizübungstage leiste. Ich möchte als Politiker auf die Leistungen des Bundesheeres und besonders auf die Miliz aufmerksam machen. Ich möchte zeigen, was die Soldatinnen und Soldaten alles können – auch franktionsübergreifend. Ich würde mich sehr freuen, wenn mehr Politiker aufzeigen, dass sie Milizsoldaten sind. Sie sollen es meiner Meinung nach viel lauter sagen. Auf der anderen Seite wünsche ich mir aber auch, dass mehr Milizsoldaten politisch aktiv werden.
Wo sehen Sie die Herausforderungen?
Ich erlebe oft die Diskussion und die Frage: Darf ein Politiker überhaupt eine Uniform tragen? Gerade dann, wenn ich zu offiziellen Anlässen auch und bewusst in Uniform erscheine. Natürlich darf er sie tragen, es ist kein Widerspruch, schon gar nicht auf der Ebene des Landtags. Die Diskussion ist sicher eine andere auf Nationalrats- und Bundesebene. Aber auch hier bin ich der Meinung, dass es kein Widerspruch ist.
Hilft das eine beim anderen?
Ja, das hilft absolut. Ich habe in meiner militärischen Karriere viel gelernt über den Umgang mit Krisen, Strukturen und über Führungsverhalten.
Darüber hinaus geht es auch um die gemeinsame Arbeit. Erst durch das militärische Wissen konnte ich den Antrag einbringen, dass die Umfassende Landesverteidigung auf allen Ebenen der Stadt Wien umgesetzt werden muss. Gerade in Krisen, wie wir sie derzeit erleben, wird uns das helfen.
Die Politik tut sich ja oft schwer mit der Armee. Wie sind hier Ihre Erfahrungen?
Es fällt mir natürlich persönlich viel stärker auf. Das Standing des Bundesheeres im politischen und auch im wirtschaftlichen Bereich bedarf vieler Gespräche. In den persönlichen Gesprächen erkennen die Leute dann oft die Bedeutung und was das Heer kann und braucht.
Was ist Ihre schönste militärische Erinnerung?
Es sind so viele wunderbare. Da wird mir klar, wie umfangreich die Erfahrungen der letzten 20 Jahre waren. Ich möchte keine missen.
Das schönste sind sicher die vielen Erlebnisse mit den Menschen, die ich treffen durfte. Es waren viele Gespräche, die Zeit mit den Leuten. Das ist komplett unbezahlbar.
Wo sehen Sie Verbesserungspotential in der Vereinbarkeit von Miliz und Beruf?
Eigentlich überall. In der Verwaltung, aber auch privat und in der Wirtschaft muss viel mehr Verständnis geschaffen werden. Es braucht auch vonseiten der Soldaten eine Strategie, wie sich Milizsoldaten mehr einbringen können. Das kann auf vielen Ebenen sein - im Katastrophenschutz, bei der Cyber Defence und vieles mehr. Milizsoldaten denken anders in Aspekten der Sicherheit für sich und für ihre Unternehmen. Wir denken darüber zu wenig nach, was es bedeutet, wenn ich einen Mitarbeiter habe, der sich mit dem Thema Sicherheit auskennt. Wir merken ja auch jetzt, wie das Interesse an solchem Wissen steigt. Die Unternehmen stellen Krisenstäbe für die Krise auf. Und hier ist die Ausbildung gefragt, denn im Ernstfall tragen wir alle grün.
Zur Person
1980 in Ottakring geboren, absolvierte Marcus Schober seinen Grundwehrdienst 1999 als Einjährig-Freiwilliger. Es folgte die Ausbildung zum Fernmeldeoffizier. Danach studierte Schober Publizistik und Kommunikationswissenschaften sowie Politikwissenschaften und schloss das Studium als Magister ab. Militärisch bildete er sich zum Presse- und Informationsoffizier fort. Ergänzend folgten das Studium "Politische Kommunikation" an der Universität Krems, eine Moderatorenausbildung am Renner Institut, diverse journalistische Tätigkeiten und eine Tätigkeit als technischer Mitarbeiter beim ORF. 2000 folgte der Einstieg in die Politik, die ihn ab 2015 bis zur Tätigkeit als Landtagsabgeordneter und Gemeinderat der Stadt Wien führte. Jedes Jahr organisiert er für die neuen Leutnante der Miliz eine Führung durch das Rathaus und einen Empfang am Tag vor der Ausmusterung an der Theresianischen Militärakademie.