Oberstleutnant Sigmar S: "Den Diensten auf die Finger schauen"
Die Einsätze der Nachrichtendienste liegen oft im Dunkeln. Sie bedienen sich ungewöhnlicher Methoden, aber auch für sie gelten Regeln. Regeln, die eingehalten werden müssen. Das zu kontrollieren ist die Aufgabe von Oberstleutnant Sigmar S. Dass es ihn einmal ins Verteidigungsministerium verschlägt, damit hätte der 57-jährige Oberösterreicher am Beginn seiner Milizlaufbahn nicht gerechnet. Denn damals, in den 1980er-Jahren, ging es mit ihm "abwärts". In den Untergrund. In eine feste Anlage in Aschach, als Kommandant einer Panzerabwehrgruppe. Sein Geschütz war der eingebaute Panzerturm eines alten Centurion-Panzers. Seit sechs Wochen ist der Oberstleutnant der Miliz nun stellvertretender Rechtsschutzbeauftragter bei der Verteidigungsministerin, und schaut den österreichischen Nachrichtendiensten "auf die Finger".
Als Sperrjäger an der Donau
S., Jahrgang 1964, war noch ein Kind des Kalten Krieges. Als die Welt in Ost und West geteilt war, galt in Österreich das Konzept der Raumverteidigung. Der geborene Welser verschanzte sich als Sperrjäger auf der Westseite der Donau. Sein Auftrag: Den Gegner aus dem Osten im Ernstfall zum Stehen bringen! Der Gang in den Untergrund war nichts für schwache Nerven. "Man musste die Mentalität eines U-Boot Fahrers haben. Klaustrophobie war da nichts", blickt er auf die Anfänge seiner Laufbahn zurück. Über die Überlebenswahrscheinlichkeit machte er sich damals, mit knapp 20 Jahren, wenig Gedanken, sagt er. Nach dem Fall des Eisernen Vorhanges war es auch mit der Sperrtruppe vorbei. Der Panzerturm wurde ausgebaut, die Anlage geschlossen.
Neue Aufgaben
Sein Weg in die Schiene des Rechtsberaters ergab sich zufällig. Nachdem sein Sperrbataillon aufgelöst wurde, war er Stabsoffizier im Jägerbataillon 14. Bei einem "Einsatz" als Gastvortragender traf er den Rechtsberater des Abwehramtes. "Das Amt stellte damals gerade einen Milizanteil an Rechtsberatern auf. Das war genau das richtige für mich", beschreibt er seinen Sprung von der Kampftruppe in den Intendanzdienst. Nach 14 Jahren im Abwehramt führte ihn sein umfangreiches Wissen im Luftfahrtrecht nach Salzburg. Dort stand er als Rechtsberater dem "Air Chief" - dem Kommandanten der österreichischen Luftstreitkräfte - zur Seite. Als Rechtsschutzbeauftragter hat er nun wieder mit dem Abwehramt zu tun; allerdings in kontrollierender Funktion.
Militär und Beruf: Gute Kombination
Neben seiner Expertise im Luftfahrtrecht hat er auch Völkerrecht im Repertoire. An der Theresianischen Militärakademie in Wr. Neustadt unterrichtet er "Law of Armed Conflict". Im internationalen Semester bringt er dem Offiziersnachwuchs und Gast-Kadetten aus aller Herren Länder das frühere Kriegsvölkerrecht bei. "Die Ausbildung ist sehr stark in praktische Beispiele verpackt. Im Szenarientraining bringen wir den Studenten auf Anwenderebene bei, was sie im Einsatz dürfen und was nicht. Ein Beispiel kann lauten: 'Du bist Kommandant, Deine Leute werden von einem Kirchturm aus beschossen. Was machst Du?'", erzählt er aus der Praxis.
Seinen Einstieg in die neue Tätigkeit legt er pragmatisch an: "Das erste Jahr dient der Orientierung, um zu sehen, wie der Hase läuft. Wie ist der Umgang mit den Ämtern, wie wird das tägliche Geschäft gehandhabt. Danach beginne ich mir Gedanken zu machen, wie ich an welcher Stelle nachschärfen kann", gibt er einen Ausblick. Seinen Job als Institutsvorstand an der Johannes-Kepler-Universität in Linz beeinträchtigt das nicht, im Gegenteil. "Ich habe Miliz und Beruf immer sehr gut verbinden können." Aus der Miliz-Rechtsberatertätigkeit haben sich immer wieder Gedanken und Ideen für die wissenschaftliche Arbeit ergeben, die Wissenschaftsperspektive ist in die militärische Arbeit eingeflossen. Daraus entstanden beispielsweise zwei Arbeiten zu aktuellen Themen, nämlich "Cyber Warfare" und unbemannte Luftfahrzeugsysteme. "Da haben sich Militär und Beruf wunderbar die Hand gegeben", zieht er ein positives Resümee.