Miliz-Unteroffizier mit verantwortungsvollem Job: Krisenfest durch gute Ausbildung
Die Technikzentrale im St. Pöltner Landhaustunnel ist überraschend aufgeräumt. Ein paar Elektronikschränke, ein Serverschrank, ein Schreibtisch mit drei Bildschirmen - das war's. Mehr ist für den Betrieb eines Tunnels heute nicht notwendig. Nicht zu vergessen: Die Notstromversorgung für den Fall eines Blackouts. Denn das wird kommen, sagt Oberwachtmeister Wolfgang M. Er ist mit vier Mitarbeitern für die Verkehrsinformationssysteme und Tunnel in Niederösterreich verantwortlich. "Wir machen eigentlich alles entlang der Straße mit Strom, bis auf die Ampeln", sagt er. Eine Verantwortung, mit der er gut umgehen kann. Als Unteroffizier hat er gelernt, die Dinge sachlich einzuschätzen.
Darauf zurückziehen, was man gelernt hat
Der geborene Wiener rückte im Oktober 1996 zum Einjährig-Freiwilligen-Jahr nach Mautern ein und war auf dem Weg, Pionier-Offizier zu werden. Wieso er heute Oberwachtmeister ist? "Die Truppenverwendung war nicht so, wie ich es mir erwartet hatte. Dann fing ich in kleineren Firmen als Brückenplaner und Bauphysiker an und hatte schlicht nicht mehr die Zeit, die Ausbildung fertig zu machen", erzählt er. Heute ist er Kommandogruppenkommandant im Jägerbataillon Wien 2 "Maria Theresia". Eine Aufgabe, die ihm gefällt: "Ich mag diese Mischung aus Taktik und Organisieren. Das ist fast so wie in meinem Beruf. Wenn ich jetzt mit Mitte 40 den Leutnant mache, bringt das der Armee wenig. Aber Fachunteroffiziere mit Erfahrung werden gebraucht", sagt der 42-jährige. Diese Kompetenz hat ihm auch in der Corona-Krise geholfen, als er im März 2020 im Landesführungsstab mitgearbeitet hat. Was für ein Wochenende geplant war, dauerte für ihn bis Mai. "Es war schon sehr intensiv. Aber in so einer Situation ziehe ich mich auf das zurück, was ich gelernt habe. Und dann funktioniert's", gibt er seine Erfahrung mit dem Einsatz wieder.
Kein Tunnelblick
Was macht einen Tunnel eigentlich zum Tunnel? "Das ist schnell erklärt. Es muss ein Loch im Berg und mindestens 80 Meter lang sein", sagt er verschmitzt. Wobei es auch Ausnahmen gibt. "Der Tunnel durch den Urtelstein bei Baden bei Wien aus dem Jahre 1823 ist nur 27 Meter lang. Damals wollte man einfach zeigen, dass es technisch funktioniert", erzählt er. Für seine tägliche Arbeit wäre ein Tunnelblick fehl an Platz. Jeder der acht Tunnel in Niederösterreich braucht regelmäßig Aufmerksamkeit. "Die Server in der Technikzentrale müssen wir nach fünf Jahren tauschen oder ertüchtigen, die Leittechnik alle zehn Jahre, die Belüftungsanlagen haben eine reguläre Lebensdauer von 25 Jahren", erzählt der St. Pöltner. Dass es auch einmal anders kommen kann, hat er auch schon erlebt. Selten, aber doch kommt es zu Störfällen im laufenden Verkehr. Dann ist schnelles Handeln angesagt. Die Generalsanierung des Dürnsteintunnels 2017-2018 war "ein heißer Ritt". Acht Monate waren ursprünglich geplant, fünf Monate wurden genehmigt. Die haben sie mit einem Spielraum von einer Woche für Inbetriebnahmen eingehalten. So etwas steht und fällt mit der richtigen Organisation. Und die hat er von der Pike auf gelernt.
Resilient werden
Schon im Studium lag sein Interesse bei den erneuerbaren Energien. Ein Thema, das ihn auch im Beruf beschäftigt. Vor allem, um vom öffentlichen Stromnetz unabhängig zu sein. 56 von 58 Straßenmeistereien des NÖ Straßendienstes sind mit Photovoltaikanlagen ausgestattet, das Pilotprojekt eines Stromspeichers soll um einen zweiten Standort erweitert werden. Ein neues Projekt sind Baustellencontainer mit komplett eigenständiger Versorgung durch Sonnenenergie. Diese kann man bei einem Blackout natürlich überall aufstellen, wo sie gebraucht werden. "Wenn es Schwankungen im Stromnetz gibt, müssen sie ausgeglichen werden. Dieser Ausgleichsstrom ist teuer, die Energieversorger greifen erst darauf zurück, wenn es nicht mehr anders geht", sagt M. Dass sich das einmal nicht mehr ausgehen wird, liegt auf der Hand. Seine eigene Zukunft sieht er positiv: "Der letzte Kurs auf der Heeresunteroffiziersakademie hat mir gefallen. Die Burschen waren wirklich gut drauf. Mir hat das Lust auf mehr gemacht. Ich überlege, als Nächstes den Stabsunteroffizierslehrgang zu machen. Die fünfmal fünf Tage der modularen Ausbildung bringe ich auch beruflich gut unter", gibt der Unteroffizier einen Ausblick auf seine nächsten Schritte.