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Miliz & Wirtschaft: Interview mit Christoph Neumayer

19. März 2021 - 

In der Interviewreihe "Miliz & Wirtschaft" sprach Oberst Mario Strigl, Verbindungsoffizier für Wirtschaft des Milizbeauftragten, mit Christoph Neumayer, seit 2011 Generalsekretär der Industriellenvereinigung. Diese unabhängige Interessensvertretung der österreichischen Industrie und der mit ihr verbundenen Sektoren vertritt die Anliegen ihrer aktuell mehr als 4.500 Mitglieder in den Bundesländern, auf Bundesebene und in Europa als Mitglied des europäischen Sozialpartners BusinessEurope. Zuvor arbeitete Neumayer journalistisch unter anderem beim ORF. Neumayer studierte Geschichte und Kommunikationswissenschaften und absolvierte mehrere postgraduale Managementausbildungen, darunter auch den 7. Strategischen Führungslehrgang. Unter anderem ist er Mitglied des Executive Committee von BusinessEurope, dem europäischen Industrie- und Arbeitgeberverband, sowie Vorstand der Ludwig Boltzmann Gesellschaft.

Das Interview

Mario Strigl: Sehr geehrter Herr Neumayer, lieber Christoph, wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat die Industriellenvereinigung? Und kannst du mir sagen, wie viele Milizsoldaten darunter sind?

Christoph Neumayer: Wir haben inklusive 20 Trainees und unseres Brüsseler Büros rund 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Darunter sind aktuell zwei Milizsoldaten, wobei wir aber in der Vergangenheit vor allem unter unseren Trainees immer wieder Milizsoldaten hatten.

Was bedeutet der Begriff "Miliz" für dich?

Für mich persönlich versinnbildlicht der Milizsoldat den Bürger, die Bürgerin in Uniform. Damit verbunden ist eine starke Implementierung des Militärs in der Gesamtgesellschaft. Der Milizsoldat ist in der Zivilgesellschaft verankert, ist aber auch bereit, Verantwortung für die Sicherheit des Staates zu übernehmen.

2020 gab es erstmals eine teilweise Aufbietung der Miliz. Was hat das für die Industriellenvereinigung bedeutet?

Unsere Mitarbeiter wurden nicht einberufen, wir sind aber die Interessensvertretung des produzierenden Sektors und industrienaher Dienstleister, und hier gab es natürlich eine Reihe von Mitgliedsunternehmen, die von der teilweisen Aufbietung der Miliz betroffen waren. Für manche von ihnen stellte dies eine Herausforderung dar, weil es sich oft um Schlüsselkräfte und Leistungsträger gehandelt hat. Dies in Unternehmen, die oft selbst eine wichtige Rolle in der Versorgung und Sicherstellung der Infrastruktur des Landes gespielt haben. Das wurde auf betrieblicher Ebene gelöst.

Wie wart bzw. seid ihr selbst von der aktuellen Corona-Pandemie betroffen?

Wir haben wie viele andere Dienstleister ein gemischtes Homeoffice- und Präsenzmodell umgesetzt, das insbesondere auch den Vorgaben der Covid-Verordnungen entsprochen hat. Für viele von uns hat diese Phase eine bedeutende Mehrarbeit ausgelöst, da insbesondere auch Unternehmensanfragen behandelt und Rahmenbedingungen wie Kurzarbeit, Homeoffice bzw. Working from home etc. im Sinne unserer Mitglieder verhandelt werden mussten.

Wie organisiert ihr es, wenn jemand einberufen wird?

Wir haben in unserer Organisation eine klare Stellvertreterregelung die verschiedenen Aufgabenbereiche betreffend, die dann zur Anwendung kommt. Unsere Mitarbeiter werden von uns mit bezahltem Sonderurlaub freigestellt.

Kennst du das Milizgütesiegel des Österreichischen Bundesheeres?

Selbstverständlich, mehr als 30 unserer Mitgliedsunternehmen sind Träger des Gütesiegels.

Wie siehst du die Partnerschaft zwischen Miliz und Wirtschaft?

Grundsätzlich positiv. Wirtschaft und Industrie haben Verantwortung für die Sicherheit Österreichs in ökonomischer Sicht und damit auch für den Wohlstand des Landes – die Miliz trägt im Umkehrschluss eine große Verantwortung für die Sicherheit Österreichs. Ohne Sicherheit gibt es keinen prosperierenden Wirtschaftsstandort.

Viele Unternehmen oder Organisationen sehen bei einem ehrenamtlichen Engagement nur die Abwesenheit des Mitarbeiters. Welchen Mehrwert bringen deiner Meinung nach Milizsoldaten für Unternehmen?

Ich denke, ein Engagement als Milizsoldatin bzw. als Milizsoldat bringt primär einen Mehrwert in der Kompetenzentwicklung der Mitarbeiterin und des Mitarbeiters, sowohl persönlich als auch fachlich. Milizsoldaten sind im Normalfall Leistungsträger in Unternehmen und Organisationen, daher ist ein Mehrwert für beide Seiten gegeben.

Das aktuelle Regierungsprogramm sieht eine Stärkung der Miliz vor. Wie kann man Arbeitgeber eurer Meinung nach dafür begeistern?

Indem man eben auch den Wert der persönlichen und fachlichen Weiterentwicklung des Mitarbeiters durch seine Tätigkeit als Milizsoldat sieht – und letztlich ist es ein gesamtgesellschaftlicher Beitrag für die Sicherheit und das Funktionieren des Landes, wie wir gerade auch anhand der Pandemiebekämpfung sehen.

Gibt es konkrete Kooperationen der Industriellenvereinigung mit dem Österreichischen Bundesheer bzw. gemeinsame Projekte?

Seit mehr als 40 Jahren haben wir eine gelebte Partnerschaft mit der Garde, die wir nach Möglichkeit unterstützen, wie man beispielsweise am Traditionsraum der Garde in der Maria-Theresien-Kaserne sehen kann. Allgemein haben wir ein großes Interesse daran, dass das Bundesheer eine glaubwürdige Rolle für die Sicherheit Österreichs einnimmt. Für ein Exportland spielt auch die gelebte internationale Solidarität eine Rolle, wie sie das Bundesheer beispielsweise am Westbalkan für Österreich zeigt. Und naturgemäß ist das Bundesheer zudem als Auftraggeber ein Faktor für Österreichs Industrie und Wirtschaft.

Neumayer: "Miliz bringt Mehrwert für die Entwicklung der Mitarbeiter". (Bild öffnet sich in einem neuen Fenster)

Neumayer: "Miliz bringt Mehrwert für die Entwicklung der Mitarbeiter".

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