Gefreiter Roland T.: Brückenbauer zwischen zwei Welten
Roland T. ist Gefreiter beim Bundesheer. Soweit ist das nichts Ungewöhnliches. Aber: Roland T. ist 52 Jahre alt. Der studierte Jurist hat sich vor fünf Jahren als Experte in den Experten-Pool für Militärethik beordern lassen. Im Zivilleben ist Roland T. Direktor des Österreichischen Filminstituts. Dort beschäftigt er sich mit der Förderung von Filmproduktionen. Ein wichtiger Teil dabei sind ethische Standards und deren Umsetzung.
Nichts unerledigt lassen
Während seines Grundwehrdienstes als Einjährig-Freiwilliger hat T. ein gutes Berufsangebot aus der Privatwirtschaft bekommen, das er angenommen hat. "Das 'Einjährig-Freiwillig' war immer etwas unerledigtes für mich", erklärt er. "Und unerledigte Sachen mag ich nicht wirklich." 2015 hat er sich aus Interesse am Strategischen Führungslehrgang der Landesverteidigungsakademie beworben. "Diese Ausbildung hat einen hervorragenden Ruf. Auch in der zivilen Gesellschaft für Führungspersonen", lobt er die Ausbildung. T. wurde direkt aufgenommen. "Der Führungslehrgang war wie eine Rückkehr in eine alte Welt, wo noch etwas unerledigt war", erzählt er schmunzelnd.
Zurück an die Schulbank
Dort erfährt er von dem Militärexpertenwesen. Der Wunsch, etwas beizutragen, auch eine Abwechslung zu einem künstlerischen Beruf, traf auf eine Möglichkeit, sein breites Wissen einzubringen. Nach einer kurzen Nachdenkphase stieg er ein. Mit fast 50 Jahren hieß es für ihn "Zurück an die Schulbank!". Mit der Ausbildung zum Experten startete er in seine neue Laufbahn. Schritt eins, die Basisausbildung für Experten mit ihren drei Modulen, hat er bereits absolviert.
"Viel Positives"
Die militärische Tätigkeit des Gefreiten T. besteht derzeit aus der Erarbeitung von praktischen ethischen Guidelines - so zum Beispiel für den Einsatz in der Corona-Krise. "Uns geht es darum, dass Militärethik nicht irgendwas Akademisches, was Theoretisches ist, sondern praktisch verwend- und umsetzbar", betont T. Auf der anderen Seite sieht er seine Funktion auch als Botschafter in die zivile Welt: "Das Bundesheer leistet so viel Positives. Das muss weitergetragen werden, vor allem auch im Kunst- und Kulturbereich. Vielleicht kann ich hier eine Brücke bauen."