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Grundlagen des Feindbegriffs und aktuell wirksame Feindkonzepte

erschienen in der Publikation "Der Feind - Darstellung und Transformation eines Kulturbegriffs - Band 1" (ISBN: 3-902456-90-6) - 01. Jänner 2008

Schlagworte zu diesem Beitrag:  Philosophie, Politik, Soziologie, Kultur, Souveränität, Feind, Krieg, Kriegswissenschaft, Kriegstheorie, Kriegsforschung, Krieg der 4. Generation, Polemologie, Transformation, Feindbegriff, Feindbild, Feindkonzept, Kriegsspiel, Hostis, Mimetik, Mimetische Theorie, virtueller Feind, instrumenteller Feind, Biomacht, Religion

Abstract:

Der Begriff Feind war in der Etablierung menschlicher Kultur immer schon ein zentraler Terminus über den sich kulturgenerierende Faktoren vollzogen und soziale wie auch politische Trennlinien definierten. Der Gegner, der "Andere" stellt in diesem Zusammenhang die eigentliche Motivation, das Entgegengesetzte, das Pendant zum jeweils Eigenen dar und hilft in diesem Sinne mäeutisch den eigenen Standpunkt, die eigene Position in einem System einerseits abzugrenzen und andererseits mit anderen in Austausch zu treten.

In der aktuellen (Welt)politischen Lage lässt sich, insbesondere seit dem Ende des Kalten Krieges, eine umfängliche Renaissance des Feinbegriffes, zuallererst in der der politischen Praxis, ausmachen. Die Ereignisse des und seit dem 11. September 2001 sowie insbesondere dem darauf folgenden "war on terrorism" mit seinem Charakteristikum von vereinfachenden Feinbildern verstärkten den Bedarf nach einer wissenschaftlich fundierten Auseinandersetzung mit dem Begriff des Feindes und der Feinbildkonzeption.

Für Carl Schmitt etwa ist "[d]ie spezifisch politische Unterscheidung, auf welche sich die politischen Handlungen und Motive zurückführen lassen, " (…) die Unterscheidung von Freund und Feind." Nicht viel anders formuliert es Samuel Huntington in seiner berühmt gewordenen These des "clash of civilizations" die sich letztlich ebenfalls auf ebendiese Unterscheidung zwischen Freund und Feind zurückführen lässt: "Wir wissen, wer wir sind, wenn wir wissen, wer wir nicht sind und gegen wen wir sind." Genauer betrachtet, wird man jedoch, gerade am Beispiel von Bürgerkriegen, auch inmitten Europas, feststellen, dass "der Feind" nie der ganz andere ist sondern letztlich "unsre eigene Frage als Gestalt." Kulturanthropologisch betrachtet bedeutend, und in den einzelnen Beiträgen auch zum Vorschein kommend, ist der Sinn aller (politischer) Feindschaft: die Ableitung von Gewalt nach außen durch den Sündenbockmechanismus der die Freundschaft im inneren durch die Feindschaft nach außen aufrechterhält.

In diesem Sinne geben die Beiträge von Band eins des zweibändigen Sammelwerkes Der Feind. Darstellung und Transformation eines Kulturbegriffes zum einen eine Einführung in die Grundlagen des Feinbegriffes (etwa am Beispiel philosophischer, soziologischer oder theologischer Herangehensweisen), zum anderen demonstrieren sie anhand konkreter, wirksamer Feindkonzepte die Bedeutung "des Feindes" (etwa am Beispiel antiker sowie neuzeitlicher Denker). Die Beiträge von Band zwei behandeln darauf aufbauend ausgewählte Bereiche der Feind(bild)konzeption am Beispiel des Söldners im 30-jährigen Krieg, biblischer Feindgestalten, der Feindseligkeiten auf dem Schlachtfeld in Europa der Habsburgerzeit sowie am Beispiel des Feinbegriffes im Völkerrecht.

Die Auseinandersetzung mit dem Begriff Feind und das Verständnis seiner kulturellen, sozialen, politischen und nicht zuletzt auch militärischen Verwertung werden in einem Aufriss dargestellt und einer Kritik unterzogen.

Der hier vorgelegt Sammelband stellt somit die Bedeutung und die Herausforderung des Umgangs mit dem sogenannten Feind und der Etablierung vom Bild des Feindes für den politischen und gesellschaftlichen Diskurs aus verschiedensten Disziplinen dar und wendet sich so einerseits an Experten, Wissenschafter und Studierende und andererseits auch ganz bewusst an Organe und Entscheidungsträger in allen ökonomischen, politischen oder militärischen Ebenen.

Paul Ertl / Jodok Troy Wien und Innsbruck, im Jänner 2008

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