Österreichs Bundesheer

Haflinger-Ausbildung auf höchstem Niveau

Auch in den Einsatzszenarien des 21. Jahrhunderts decken Tragtiere durch ihre vielseitige Verwendbarkeit ein breites Einsatzspektrum ab. Im neu errichteten Tragtierzentrum des Stabsbataillons 6 der 6. Jägerbrigade für die Haflinger-Pferde des Österreichischen Bundesheeres am Truppenübungsplatz Hochfilzen wird Mensch und Tier das dazu notwendige Wissen und Können vermittelt.

Der moderne Soldat bewegt sich im Allgemeinen motorisiert oder mechanisiert über das Gefechtsfeld. Auch der Lufttransport stellt keine Besonderheit mehr dar. Im "unwegsamen" Gelände oder bei schlechten Witterungsbedin-gungen ist er meist zu Fuß unter-wegs. In diesem Fall hat er für den Transport seiner persönlichen Ausrüstung und von Versorgungsgütern selbst zu sorgen. Es sei denn, er findet einen "Esel", der das für ihn übernimmt - oder eben ein geeignetes Tragtier. Regional unterschiedlich, meist abhängig von der klimatischen Situation machte sich das Militär seit jeher die Kraft der Tiere zu Nutze. Elefanten als Schwerarbeiter in Indien, Kamele und Lamas als Tragtiere in Afrika und Südamerika. In Europa waren es zumeist Pferde, Maultiere, Ochsen und Esel, die als Reit-, Trag- und Zugtiere eingesetzt wurden. Im Österreichischen Bundesheer werden ausschließlich Haflinger-Pferde als Tragtiere eingesetzt.

Der Haflinger

Der Name "Haflinger" leitet sich von dem Bergdorf Hafling bei Meran ab und war bereits vor der "Haflingerzucht" eine volkstümliche Bezeichnung für Saum- und Tragpferde.

Der Haflinger ist ein kräftiges, stämmig gebautes und genügsames Kleinpferd mit hoher Leistungsbereitschaft. Er zeichnet sich durch eine hohe Trittsicherheit im schwierigen Gelände aus und scheut bei entsprechender Ausbildung nicht. Damit ist der Haflinger das ideale Tragtier für den Einsatz im Gebirge. Er hat Tradition in Österreich, ist eine lokale Rasse, die genügsam im Futter und widerstandsfähig ist sowie ausgezeichnete Charaktereigenschaften aufweist.

Relativ unbekannt ist, dass der Haflinger keine alte Pferderasse ist, sondern eine recht moderne Schöpfung der k.u.k. Armee. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es zu einem Versorgungsengpass an Pferden für die Truppen im Alpenraum. Um dieses Zuchtproblem in den Griff zu bekommen, bedurfte es der Bereitstellung von Futtermitteln, die in der Region fehlten. Das für die Pferdezucht zuständige Militärinspektorat beschloss in Zusammenarbeit mit dem Ackerbauminis-terium eine Förderung der Pferdezucht im Tiroler Raum, die gleichzeitig den dort ansässigen und verarmten Bauern helfen sollte.

In Laas im Vintschgau wurde ein Hengstfohlen-Aufzuchthof eingerichtet. Für alle vierjährigen Hengstfohlen bekamen die Züchter/Bauern eine Abnahmegarantie der k.u.k. Armee. Nach der Abnahme wurden die Jungpferde (ausschließlich Hengste!) von Armeeangehörigen ausgebildet und danach einem Bauern zur Pflege und Nutzung übergeben. Über einen Zeitraum von vier Jahren (dem neunten bis zwölften Lebensjahr) mussten die Tiere bei Bedarf sofort in einem einsatzfähigen Zustand der Armee zur Verfügung gestellt werden. Ab dem dreizehnten Lebensjahr gingen die Haflinger-Pferde in den Besitz des jeweiligen Pflegers über.

Dieses System trug dann dazu bei, dass die Bauern nun in ihrem eigenen Interesse ein kräftiges Trag- und Saumpferd heranzüchteten, das genau den Erfordernissen der alpinen Kriegsführung entsprach.

Aufzucht:

In Schluderns im Vintschgau, Südtirol, kam es 1874 zu einem heißen Date auf dem Hof des Bauern (Züchters) Josef Folie zwischen dem orientalischen Hengst mit dem Namen "133 El Badavi XXII" (Jahrgang 1868) und einer gar nicht so kaltblütigen Landstute (Warmblut) unbekannten Namens mit galizischen Wurzeln. Der Verbindung entsprang ein Goldfuchs mit signifikanten Aalstreifen. Josef Folie gab ihm den Namen "249 Folie". Das Tier, ein temperamentvolles und kompaktes Muskelpaket mit Araberadel, entsprach genau der Idealvorstellung des damaligen k.u.k. Gestütskommandanten Graf Huyn.

Er hatte mit dem Hengst "249 Folie" das große Los gezogen. Dieser Deckhengst wurde damit Begründer der späteren "Haflingerrasse". Aufgrund seiner guten Qualitäten war er in den folgenden 19 Jahren "der" Zuchthengst. Bereits am 2. Mai 1898 wurden mit k.u.k. Order seine Mühen belohnt und für den entstandenen Pferdebestand die Rassebezeichnung "Haflinger" genehmigt.

Erst nach der Gründung einer Zuchtgenossenschaft 1908 im Sarntal wurden die Haflinger zu den heute bekannten Goldfüchsen mit blonden Mähnen und Schweifen hingezüchtet.

Die weltweite Verbreitung des Haflinger-Pferdes erfolgte aber von Nordtirol aus durch das Welt-Haflingerzentrum, dem Haflingerfohlenhof Ebbs. Hier befindet sich auch der Sitz der "Welt Haflinger Vereinigung". Nach ihren Regeln ist ein Pferd nur dann ein Haflinger, wenn dessen Ursprung bis zum "249 Folie" nachweislich zurückverfolgt werden kann. Eine Einkreuzung mit einem Pferd einer anderen Rasse, sei es Hengst oder Stute, ist nicht erlaubt. Nach den neuen Grenzziehungen von 1919 verlagerte sich die Haflingerzucht von Südtirol nach Nordtirol, Vorarlberg und Kärnten.

Andere Haflinger:

Entgegen den Tiroler Zuchtbestrebungen, wo man durch gewissenhafte Selektion größere und schlankere Haflinger aus den "Kleinpferden" züchtete, wurde in Deutschland lange Jahre versucht, diesen Erfolg durch Fremdbluteinkreuzung zu beschleunigen. Durch diese Einkreuzungen hat das Pferd oft sein ausgeglichenes Temperament, seine Umgänglichkeit und sein freundliches Wesen eingebüßt. Jetzt geht man in Deutschland aufgrund der negativen Erfahrungen wieder zur Reinzucht zurück. Bei einem hohen Anteil von über 1 565 Zuchtstuten ein nicht geringes Problem.

Um das "deutsche Problem" zu legalisieren, wurde von der "Féderation Équestre Nationale Reiterlichen Vereinigung" ein eigenes Zuchtbuch für diese "Edelbluthaflinger" geschaffen.

Aufgaben und Leistungsparameter der Haflinger-Tragtiere:

Durch ihre Robustheit und vielseitige Verwendbarkeit sind die Haflinger-Pferde auch im 21. Jahrhundert ein unverzichtbarer Bestandteil des Österreichischen Bundesheeres. Die Tragtiere gewährleisten Mobilität im Gebirge bei Tag und Nacht, bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit.

Die Pferde können im Gegensatz zu Fahrzeugen auch problemlos im hochalpinen Gelände, abseits von befestigten Wegen und Straßen, für Transportaufgaben zum Einsatz kommen. Die Begehbarkeit von Wegen und Steigen ist abhängig von der Art und der Breite der Last und erfordert 50 bis 170 Zentimeter. Die Haflinger sind dabei im Einsatz sehr widerstandsfähig und trittsicher, können Lasten bis zu 150 Kilogramm tragen und pro Tag eine Strecke bis zu 100 Kilometern zurücklegen. Sie erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 8 km/h im Schritt, bis zu 15 km/h im Trab und bis zu 25 km/h im Galopp. Pro 300 bis 400 Höhenmeter im Auf- und Abstieg ist mit einem Zuschlag von einer Stunde zu rechnen. Haflinger sind im Trageeinsatz verlastet in der Lage, Steigungen bis zu 40 Prozent sowie Stufen bis zu einer Höhe von 40 Zentimetern zu bewältigen.

Wie beim Menschen auch richtet sich der Nahrungsbedarf nach der Arbeitsleistung und gliedert sich in einen Grundumsatz und eine leistungsbestimmte Komponente. Haflinger sind sehr genügsam im Futterverbrauch. Sie benötigen zwei- bis dreimal täglich mindestens ein Kilogramm Raufutter (Heu: getrocknete Wiesen-, Klee- und Luzernepflanzen) je 100 Kilogramm Körpergewicht sowie dreimal täglich Krippenfutter (z. B. Hafer) je nach Arbeitsleistung (maximal 10 Kilogramm).

Bei einem Körpergewicht von rund 400 Kilogramm benötigt ein Haflinger 16 bis 50 Liter Wasser pro Tag. Filmszenen in denen der verfolgte und erschöpfte Westernreiter den Weg durch die Salzwüste nimmt und am dritten Tag seinem Pferd den Restinhalt seiner Feldflasche im umgestülpten Hut überlässt gehören jedenfalls in das Reich der Fantasie!

Eine sorgfältige Marschplanung ist daher zur Erhaltung der Leistungsfähigkeit der Tragtiere unerlässlich. Nach etwa einer halben Stunde dient eine kurze Rast zum Nachgurten. In einer längeren Rast wird nach etwa drei Stunden abgelastet bzw. abgesessen und die Gurte nachgelassen sowie die Marschfähigkeit der Tragtiere überprüft. Innerhalb von 24 Stunden benötigen die Tiere eine durchgehende Ruhezeit von acht Stunden.

Auftrag des Tragtierzentrums (Entwurf)

Das Tragtierzentrum muss
  • zur Erfüllung von Sondertransportaufgaben im unwegsamen Gelände im Rahmen von Auslands- und Inlandseinsätzen Tragtiere auswählen, halten, ausbilden und einsetzen können,
  • Tragtierführer in Zweitfunktion (für alle möglichen Bedarfsträger des ÖBH) innerhalb eines Monats im Rahmen der Einsatzvorbereitung oder im Einsatzraum ausbilden können,
  • Melde-, Verbindungs-, Überwachungs-, Erkundungs-, Aufklärungs- und Säuberungsaufgaben unter Verwendung der spezifischen Verwendungsmöglichkeiten von Tragtieren durchführen können und
  • eine fachdienstliche Expertise im Rahmen des Ordnungseinsatzes bei Auslandseinsätzen in Zusammenarbeit mit dem Reitausbil-dungszug der Theresianischen Militärakademie aufbauen.

Ausbildung zum Tragtier

Im Alter von sechs Monaten werden die Hengstfohlen vom Bundesheer angekauft. Mit zweieinhalb Jahren werden sie einer Diensttauglichkeitsprüfung (Remontierung) unterzogen und danach kastriert. Die Kastration ist übrigens Teil der Ausbildung von Studenten der Tierheilkunde der Veterinärmedizinischen Universität.

Die Ausbildung der militärischen Haflinger dauert etwa zwei Jahre und umfasst reiten, tragen und fahren. Die Tiere müssen perfekt gehorchen und der Instinkt, vor Gefahr (z. B. Schüssen) zu flüchten - Pferde sind Fluchttiere -, muss unterdrückt werden.

Nach der Ausbildung durch den Ausbildungszug werden die Tragtiere an den Einsatzzug übergeben.

Ausbildungsorganisation:

Bereits kurz nach der Gründung des Österreichischen Bundesheeres wurde 1957 an den Standorten

  • Saalfelden,
  • Landeck und
  • Spittal/Drau
je eine Tragtierkompanie (TTKp) aufgestellt. Insgesamt verfügten diese drei Tragtierkompanien über 127 Militärpferde. Die fünf Tragtierzüge hatten je drei Tragtiergruppen mit je acht Tragtieren. Die Personalstärke betrug 135 Mann (2 Offiziere, 21 Unteroffiziere, 51 Chargen und 61 Wehrmänner). Kurze Zeit später wurde aus diesen drei Kompanien je ein Tragtierzug ausgegliedert und in
  • Glasenbach, in der
  • Wattener Lizum (zuerst St. Johann in Tirol) und in
  • Lienz stationiert.

1972 wurden die TTKp/StbB7 in Spittal/Drau und die TTKp/StbB8 in Saalfelden sowie 1976 die TTKp/StbB6 in Landeck aufgelöst. Stattdessen wurden vier Tragtierzüge (später als Tragtierstaffeln bezeichnet) gebildet.

Drei Tragtierzüge in der Stärke von je neun Soldaten und 34 Tragtieren wurden in

  • Landeck (Pontlatz-Kaserne),
  • Lienz (Franz-Josef-Kaserne) und
  • Spittal/Drau (Türk-Kaserne)
stationiert.

Die Tragtierausbildungsstaffel in der Stärke von sieben Soldaten und 62 Haflingern (14 Tragtiere, 12 Remonten, 36 Aufzuchtpferde) wurde in die Grundorganisation des Truppenübungsplatzes Hochfilzen eingegliedert.

Im Jahr 1983 wurde dort in der Nähe der Schießanlagen eine Remontenstation errichtet, um die Jungtiere an ihren späteren Einsatz auch akustisch zu gewöhnen. Unter Remonten versteht man Jungpferde in Grundausbildung, die mit Longieren, Geradeausreiten und Zirkelreiten beginnt.

Das Tragtierzentrum

Im Zuge der Umsetzung der Heeresreform ÖBH 2010 kam es zu einschneidenden Veränderungen im Tragtierwesen.

2007 wurden die Tragtierstaffeln in Landeck, Lienz und Spittal/Drau aufgelöst und mit der Tragtierstaffel in Hochfilzen zum Tragtierzentrum/StbB 6 der 6. Jägerbrigade zusammengefasst. Der Tierbestand wurde durch Verkäufe verkleinert. Derzeit dienen 62 Tragtiere im neu eröffneten Tragtierzentrum des Österreichischen Bundesheeres in Hochfilzen.

Um die Zusammenlegung aller Tragtierstaffeln zu ermöglichen, wurde in der Zeit von September 2008 bis Dezember 2009 ein neues Stallgebäude mit Ausbildungshalle und Verwaltungsräumen errichtet.

Das neue Tragtierzentrum (TTZ) erfüllt die neu geltenden Bestimmungen zur Pferdehaltung und verfügt über

  • Boxen für 47 Tragtiere,
  • eine Pferdeschwemme,
  • zwei Freilaufführungsanlagen (kreisförmige, motorgetriebene Anlagen zum Training im Schritt),
  • eine Ausbildungshalle,
  • einen Ausbildungsplatz im Freien,
  • vier Freilaufkoppeln mit einer Fläche von insgesamt 2 000 Quadratmetern,
  • einen Lehrsaal mit moderner Medienausstattung für die Ausbildung,
  • Lagerräume für Futter und Gerätschaften,
  • einen Veterinärraum,
  • eine Schmiede sowie
  • Sanitäreinrichtungen.

Ein erster Test Bei speziellem Bedarf im Inland (Ausbildungsvorhaben und Unterstützungsleistungen im Rahmen der Ausbildung) wird beim Österreichischen Bundesheer das Tragtier mit dem Tragtierführer angefordert. Dieser stattet das Tragtier mit dem für den Auftrag benötigten Reit-, Trage-, Zug- oder Fahrgerät aus, belädt es und marschiert los. Er kennt "sein" Pferd, betreut es und ist ihm ein "Kamerad".

Zur Bewältigung von Sonderaufgaben befähigte Soldaten (SOF - Special Operations Forces) tragen in der Regel ihre Sonderausrüstung (etwa 50 Kilogramm) zusätzlich mit. Grund ist u. a., das Einsatzgebiet ungesehen zu erreichen und dort eine gewisse Zeit unabhängig von Nachschub operieren zu können.

Was lag also näher, als sich beim Jagdkommando grundsätzliche Gedanken über den Einsatz von Tragtieren zu machen. Die Grundlagenabteilung des Jagdkommandos fasste nach Prüfung verschiedener Szenarien, Unterlagen und Einsatzberichte den Entschluss, eine beherrschbare "Tragemöglichkeit" zu suchen und die Einsatzmöglichkeiten für das Jagdkommando zu erproben. Im Tragtierzentrum fand man einen kompetenten und interessierten Ansprechpartner. Nach einer Planungsphase kam es 2007 und 2008 zu praktischen "Tests", die alle erfolgreich verliefen. Eine Umsetzung für eine SOF-Gruppe wurde geplant und auch realisiert.

Tragtierführer in Zweitfunktion

Acht Kadersoldaten des Jagdkommandos wurden in der ersten Tragtierführer-Grundausbildung 2009 in zwei Wochen zu "vereinfachten" aber real einsatzbefähigten Tragtierführern in Zweitfunktion ausgebildet.

Der Dienstplan sah eine Woche Ausbildung im Tragtierzentrum vor. In der zweiten Woche wurde dann eine Übung mit einem mehrtägigen Gebirgsmarsch und dem Aufbau von Tragtierlagern durchgeführt. Bei der abschließenden Überprüfung im Tragtierzentrum konnte die Anwendbarkeit der in den Jahren 2007 und 2008 geleisteten Vorarbeiten und deren einsatzorientierte Umsetzung in der Praxis festgestellt werden.

Der speziell auf die Anforderungen und Bedürfnisse des Jagdkommandozuges zugeschnittene Dienstplan umfasste in der ersten Ausbildungswoche theoretischen Unterricht aus

  • Pferdekunde,
  • Wesen, Verhalten, Unfallverhütung,
  • Sattel- und Zaumzeugkunde,
  • Pferdekrankheiten,
  • Einweisung in den Trage-, Reit- und Zugeinsatz,
  • Futtermittellehre und Leistungsberechnungen sowie
  • Beschlagskunde und Notbeschlag.

In der Praxis wurden

  • die Pferdepflege,
  • die Handhabung des Tragtieres als Packpferd,
  • das Longieren eines Pferdes mit Reiter im Viereck,
  • Dressur und Cavaletti-Sprung im Viereck,
  • das Reiten im Viereck,
  • das Reiten im leichten Gelände und mit dem Handpferd,
  • das Reiten mit dem geführten Packpferd,
  • das Reiten im Gebirge (Truppen-übungsplatz Hochfilzen) mit dem Packpferd,
  • das Verladen und der Transport der Tragtiere,
  • das Errichten und Beziehen eines Tragtierlagers sowie
  • der Feuerkampf vom Pferd
geübt.

In der abschließenden Zielüberprüfung durch den Kommandanten des Tragtierzentrums wurden die Fähigkeiten der Kursteilnehmer im

  • Longieren,
  • in der Arbeit mit dem Hand- und Packpferd sowie
  • im Reiten auf dem Geländeparcours
überprüft.

Die zweite Woche war von einem Gebirgsmarsch geprägt. Nach dem Transport der Tragtiere zum Ausgangsort erfolgte das Auflasten der Handpferde. Der Marsch bei schlechtem Wetter im Hochgebirge sowie die Errichtung hochalpiner Feldlager und Ställe boten auch den Jagdkommandosoldaten ein forderndes Programm, das mit Bravur gemeistert wurde. Unvorhergesehene Ereignisse zeigten das Leistungsvermögen des Tragtierzen-trums. Ebenso wurden das Umsetzungs-vermögen und die allgemeine Leistungsbereitschaft des Jagdkom-mandos unter Beweis gestellt.

Insgesamt wurde durch das Tragtierzentrum gemeinsam mit dem Jagdkommando ein richtungweisendes Ausbildungsmodul entwickelt.

Zusammenfassung

Tragtiere sind nacht- und allwettertauglich. Sie können jederzeit problemlos im hochalpinen Gelände, abseits von befestigten Wegen und Straßen eingesetzt werden und marschieren auch dann noch, wenn ein Hubschrauber nicht mehr fliegen kann. Sie sind vielseitig verwendbar. So wurden Haflinger z. B. von 1993 bis 2004 auch als Reitpferde für Überwachungsaufgaben beim Assistenzeinsatz zur Grenzraumüberwachung eingesetzt (vgl. TD 5/2005, S. 424, "Tragtiere im Einsatz").

Im Inland werden Tragtiere vielfach zur Unterstützungsleistung im Rahmen der Ausbildung für Transportaufgaben in hochalpinen Schutzgebieten, in denen Flugverbot herrscht, oder für Ausbil-dungsvorhaben im Hochgebirge zur Sicherstellung der Versorgung unter allen Witterungsverhältnissen, herangezogen.

Die Einsatzszenarien von Peace Support Operations können den Einsatz auch im Ausland erfordern (vgl. TD 1/2002, S. 57, "Grenzraumüberwachung im Kosovo"). Dabei kommt es, meist abhängig von der klimatischen Situation und der regionalen Verfügbarkeit darauf an, geeignete Tragtiere anzumieten. Der Einsatz von ortsüblichen Reit- und Tragtieren hat den Vorteil, dass diese Tiere bereits akklimatisiert und auch geringeren Gesundheitsrisiken ausgesetzt sind, da sie an die Keimwelt im Einsatzraum gewöhnt sind. Darüber hinaus werden Transportkosten gespart.

Eine Verwendung von Tragtieren im Auslandseinsatz kann nur dann erfolgen, wenn entsprechend ausgebildetes Kaderpersonal in den Einsatzraum verlegt werden kann. Das Tragtierzentrum stellt die entsprechende Expertise sicher und vermittelt die Kenntnisse auch an das Kaderpersonal anderer Bedarfsträger im Österreichischen Bundesheer in Form von Ausbildungskursen für Tragtierführer in Zweitfunktion.

Da nicht immer Pferde als Tragtiere eingesetzt werden können, muss die erforderliche Expertise auch für andere Tragtierarten aufgebaut werden. Dies erfolgt einerseits durch Zusammenarbeit mit ausländischen Streitkräften als auch optional durch Beschaffung, Haltung, Ausbildung und Verwendung alternativer Tragtiere (z. B. Kamele) durch das Tragtierzentrum (vgl. TD 3/2008, S. 234, "Tragtiere für Einsatzaufgaben der Zukunft").


Autor: Vizeleutnant Professor Wolfdieter Hufnagl, Jahrgang 1944, Milizunteroffizierslaufbahn beim ehemaligen Fernmeldebataillon 1 in Wien und Ausbildung zum Kraftfahrunteroffizier (Heeresfahrlehrer A). Informationsoffizier des Österreichischen Bundesheeres beim Militärkommando Wien. Mehrere Auslandseinsätze u. a. in Albanien und im Kosovo. Vor seinem Übertritt in den Ruhestand hauptberuflich bei den Österreichischen Bundesbahnen in leitender Stellung im Bahnbetrieb, später in der Generaldirektion bei der Erstellung neuer Unternehmenskonzepte tätig. Verfasser mehrerer Fachbücher aus den Bereichen Militär, Polizei, Eisenbahn und Waffentechnik. Seit 2005 Professor.

Kontakt: Major Josef Hager, Kommandant Tragtierzentrum.

6395 Hochfilzen, Schüttachstraße 1, Tel.: 05020187 42450.

E-mail: tuepl.hochfilzen.ttz@bmlvs.gv.at

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